Waidhofen

Palmsonntag 1953

Am Palmsonntag dem 29. März 1953, wurde die Weihe der Glocken der Stadtpfarrkirche in Waidhofen / Ybbs  vorgenommen. Karl Piaty (geb. 1910) drehte dabei einen Film, der nunmehr digitalisiert,  im weltweitem Intenet gesehen werden kann. Ein zeithistorisches Dokument.

Ausschnitt aus dem obigen Video – Blick Richtung WetterhäuschenGlockenweihe 1

Zu diesem Film schrieb Stadtpfarrer Mag. Herbert Döller:

Nachdem der Krieg, der überall auch in die Glockenstuben griff, zu Ende war, gab es landauf, landab Glockenweihen. Am Palmsonntag, dem 29. März 1953 war es in Waidhofen so weit. Dass es hier acht Jahre dauerte bis man das Geläute ergänzte, lag in der traurigen Tatsache des Bombenabwurfs nahe der Kirche und der Priorität, die Kirchenfenster zu erneuern. Außerdem besaß die Kirche in den drei Barockglocken von 1689 ein hervorragendes Geläute. Mit Hilfe der Stadt- und Landgemeinde war es möglich, die beiden kleineren Glocken, die das Geläute auf die früher vorhandene Salve Regina Stimmung (H1 – Dis – Fis – Gis – H) ergänzten, bei der Fa. Pfundner in Wien anzuschaffen.

Gegossen 1952 kamen sie vor besagtem Palmsonntag nach Waidhofen und wurden im Schlosshof zur Besichtigung ausgestellt. Nach der Reform der Karwochenliturgie durch Papst Pius XII. wurde erstmals an diesem Palmsonntag 1953 die Palmweihe außerhalb der Kirche gefeiert, wo bei der Mariensäule die Glocken, auf einem Pferdefuhrwerk aufgeladen und geschmückt, standen. Unter Assistenz der beiden Kapläne Norbert Wenda und Franz Weiß weihte Propst Dr. Johannes Landlinger die beiden Glocken. Zuvor hielt Pfarrer Johann Litsch von Zell eine gewaltige Predigt von einer Behelfskanzel aus und kommentierte für die gewaltige Volksmenge die heilige Handlung. Man sieht im Film die Waschung und Abtrocknung der Glocken durch die beiden Diakone und anschließend deren Salbung mit Chrisam durch den Konsekrator. Der Ritus erinnert an die Taufe und sinngemäß erhielten beide Glocken auch ihre Namen. Danach bewegte sich der Festzug zur Stadtpfarrkirche, wo der Palmsonntagsgottesdienst gefeiert wurde. Die Glocken wurden dann über Mittag aufgezogen und   um 14.00 Uhr erstmals geläutet. Im Zuge der Anschaffung der beiden Glocken elektrifizierte man auch das Geläute.

Die Glocke, St. Leopold, wiegt 750 kg bei 1,o9 m Höhe und läutet auf Gis. Mit der Inschrift: ST.LEOPOLD HÜTE DEN FRIEDEN UNSERER HEIMAT+DEN OPFERN ZWEIER WELTKRIEGE ist sie zugleich eine Kriegergedächtnisglocke.

Ein Relief zeigt den hl. Leopold aufrecht stehend mit Kirchenmodell und ein anderes das Waidhofner Stadtwappen mit der Jahreszahl 19/52. Ein kreisrundes Emblem mit dem Wiener Stadtwappen und der Umschrift GEGOSSEN JOSEF PFUNDNER 1952 verewigt den Glockengießer. Die Glockenkrone trägt auf den vier Seiten die Wappen von Österreich, Wien, Niederösterreich und von Bischof Michael Memelauer von St. Pölten

Die kleinere Glocke, St. Isidor, mit 300 kg und 0,81 m Höhe ist auf H gestimmt. Ihre Inschrift lautet: ST. ISIDOR ERBITTE UNS SEGEN FÜR HOF UND FELD.

Ein rechteckiges Relief zeigt den Heiligen auf dem Feld kniend und vor dem eucharistischen Symbol Kelch und Hostie in den Wolken betend. Den weiteren Schmuck bilden ein Christogramm mit der Jahreszahl 19/52 und das kreisförmige Emblem des Gießers mit zentralem Wiener Stadtwappen und der Umschrift: GEGOSSEN JOSEF PFUNDNER 1952. Die Glockenkrone trägt auf den vier Seiten die Wappen von Österreich, Wien, Niederösterreich und von Bischof Michael Memelauer von St. Pölten.

Mag. Herbert Döller
Oberer Stadtplatz 35
3340 Waidhofen an der Ybbs

%d Bloggern gefällt das: