30. September – ein Datum österreichischer Eisenbahngeschichte
Was können der 30. September 1957 und der 30. September 2026 miteinander zu tun haben? Sehr viel. Denn zwischen diesen beiden Tagen liegen genau 69 Jahre österreichischer Eisenbahngeschichte – und zwei Bahnen, deren Schicksal erstaunliche Parallelen aufweist.
Am 30. September 1957 fuhr der letzte Personenzug der berühmten Salzkammergut-Lokalbahn, der „Ischlerbahn“, zwischen Salzburg und Bad Ischl.
Genau 69 Jahre später, am 30. September 2026, verschwand mit dem letzten verbliebenen Eisenbahnwaggon am Bahnhof Ybbsitz ein weiteres sichtbares Stück der alten Ybbstalbahn.
Zwei Bahnen. Zwei Regionen. Zwei Generationen. Und doch eine verblüffend ähnliche Geschichte.
1957: Das Ende der Ischlerbahn
Die Salzkammergut-Lokalbahn verband Salzburg über Mondsee und den Wolfgangsee mit Bad Ischl. Sie war Verkehrsader und Touristenbahn zugleich und hatte großen Anteil an der touristischen Erschließung des Salzkammerguts. Als ihre Einstellung drohte, wollte sich ein großer Teil der Bevölkerung damit keineswegs abfinden.
Es entstand eine breite Protestbewegung für den Erhalt der Bahn. Zehntausende Menschen unterstützten die Forderung nach ihrem Weiterbestand. Am 21. September 1957, nur wenige Tage vor dem endgültigen Aus, zogen rund 2.500 Menschen in einem Schweigemarsch durch Salzburg.
Eine Resolution für die Erhaltung der Bahn wurde übergeben. Gemeinden, Bevölkerung und Freunde der Bahn versuchten noch in letzter Minute, die Einstellung zu verhindern.
Doch es half nichts. Am 30. September 1957 fuhr der letzte planmäßige Personenzug. Sehr bald danach verschwanden auch die Gleise.
Gerade das macht die damalige Entscheidung aus heutiger Sicht so interessant: Man stellte nicht nur den Betrieb ein, sondern beseitigte auch große Teile jener Infrastruktur, die eine spätere Wiederaufnahme ermöglicht hätte.
Ein halbes Jahrhundert später: die Ybbstalbahn
Auch im Ybbstal glaubten viele lange Zeit, dass „ihre“ Bahn nicht wirklich verschwinden könne. Nach Unwetterschäden 2009 wurde der Verkehr auf großen Teilen der Strecke nicht mehr aufgenommen. 2010 endete schließlich der ÖBB-Betrieb; das Land Niederösterreich übernahm die Infrastruktur.
Doch auch im Ybbstal wurde das Ende der Bahn von Teilen der Bevölkerung keineswegs widerspruchslos hingenommen. Es entstanden Initiativen für den Erhalt der Strecke. Club 598 und Pro Ybbstalbahn wurden zu den sichtbarsten Stimmen. Eisenbahnfreunde, Anrainer und Unterstützer versuchten zu erreichen, dass der Verkehr wieder aufgenommen oder zumindest die vorhandene Bahninfrastruktur nicht zerstört wird.
Dabei ging es vielen gar nicht um eine nostalgische Forderung nach einer alten Eisenbahn. Eine der wichtigsten Forderungen lautete vielmehr: Lasst zumindest die Schienen liegen.
Denn solange eine Bahntrasse samt Gleisen vorhanden ist, bleibt eine spätere Wiederaufnahme grundsätzlich denkbar. Sind Schienen entfernt, Grundstücke verändert und Abschnitte einer anderen Nutzung zugeführt, wird eine Rückkehr wesentlich schwieriger und teurer.
Es gab Veranstaltungen, Diskussionen, Unterschriftenaktionen und immer wieder öffentliche Forderungen nach dem Erhalt der Ybbstalbahn. Doch schließlich setzte sich bei den Politikern eine andere Lösung durch: nur Radweg, statt wie vom Landeshauptmann vorgeschlagen Bahn und Radweg !
Die Schienen zwischen Eurospar und Göstling wurden abgebaut, der Ybbstalradweg 2017 eröffnet. Auch die Gleisanlagen im Bahnhof Ybbsitz verschwanden.
Zwei Bahnen – und zweimal Widerstand
Gerade hier wird die Parallele zwischen Ischlerbahn und Ybbstalbahn besonders deutlich.
1957 protestierten die Menschen für die Ischlerbahn. Mehr als 50 Jahre später kämpften Menschen im Ybbstal für ihre Ybbstalbahn.
In beiden Fällen gab es Stimmen, die davor warnten, nicht nur den Verkehr einzustellen, sondern auch die Infrastruktur endgültig zu beseitigen. Und in beiden Fällen konnten diese Stimmen den Rückbau großer Streckenteile letztlich nicht verhindern.
Das ist vielleicht die eigentliche historische Frage: Wie endgültig darf eine Generation über eine Verkehrsinfrastruktur entscheiden, die vielleicht von der nächsten Generation wieder dringend gebraucht wird?
Und wieder spielt der 30. September eine Rolle
Fast könnte man meinen, dieses Datum hätte mit österreichischen Nebenbahnen eine besondere Beziehung. Denn nicht nur die Ischlerbahn fuhr am 30. September 1957 zum letzten Mal.
Auch bei der Ybbstalbahn fiel Jahre später ausgerechnet auf den letzten Septembertag ein wichtiger behördlicher Schritt: Der Auflassungsbescheid für Teile der Bahn wurde den betroffenen Gemeinden zugestellt.
Und nun der 30. September 2026. An diesem Tag wurden die letzten noch am Bahnhof Ybbsitz verbliebene Eisenbahnwaggon abtransportiert. Piaty Video war dabei und konnte diese außergewöhnliche Aktion mit Bildern und Video dokumentieren.
Der letzte Waggon von Ybbsitz
Es handelte sich um einen Gütertransportwagen aus dem Jahr 1941, der unter anderem für Pakete, Stückgut und Maschinen verwendet werden konnte. Vier weitere historisch wertvolle Waggons waren bereits zuvor abtransportiert worden. Nun kam der letzte an die Reihe.
Und schon sein Abtransport war technisch bemerkenswert. Der 85 Jahre alte Wagen wurde nicht einfach mit einem Kran auf einen Tieflader gehoben. Zum Einsatz kam ein Spezialfahrzeug der Pressnitztalbahn. Über eine in Deutschland dafür gebaute Rampe wurde der Eisenbahnwaggon auf das Transportfahrzeug gebracht.
Besonders eindrucksvoll dabei: Ein einziger Mann konnte den gesamten Vorgang per Funksteuerung durchführen. Piaty Video dokumentierte die ungewöhnliche Aktion vom Beginn bis zum Ende.
Dann verließ der letzte Waggon den ehemaligen Bahnhof Ybbsitz. Sein Ziel: Kienberg-Gaming.
Und gerade dieses Ziel gibt der Geschichte eine unerwartete Wendung.
Der letzte Waggon fährt dorthin, wo die Bahn zurückkehrt
Während am 30. September 2026 in Ybbsitz der letzte Waggon verschwand, wurde er nicht verschrottet. Seine Reise führte ausgerechnet dorthin, wo ein anderer Teil der Ybbstalbahn wieder eine Zukunft bekommt: zur Bergstrecke Kienberg-Gaming–Lunz am See.
Diese berühmte Bergstrecke wird wiederhergestellt. Der Ötscherland-Express konnte wegen des Zustandes der Infrastruktur zuletzt nur einen Teil der Strecke befahren. Mit finanzieller Unterstützung des Landes dem Traditionsdenken des LH Stellverteter Landbauer und enormen ehrenamtlichen Leistungen der Eisenbahnfreunde wird daran gearbeitet, die gesamte Bergstrecke wieder befahrbar zu machen.
Damit soll ab dem kommenden Jahr wieder möglich sein, was bereits verloren schien: Eisenbahnbetrieb über die gesamte historische Bergstrecke von Kienberg-Gaming bis Lunz am See. So wurde dieser 30. September gleichzeitig zu einem Tag des Abschieds und der Hoffnung.
Der letzte Waggon verließ einen Bahnhof, an dem die Eisenbahn verschwunden ist – und fuhr zu einer Strecke, auf der die Eisenbahn wieder zurückkehrt.
Auch die Ischlerbahn ist nicht vergessen
Und damit schließt sich ein bemerkenswerter Kreis. Denn auch die Ischlerbahn ist 69 Jahre nach ihrem letzten Betriebstag keineswegs vergessen.
Heute gibt es wieder konkrete Bestrebungen für eine moderne Bahnverbindung Salzburg–Mondsee–Bad Ischl. Dabei soll nicht die Dampfbahn des Jahres 1957 wiederauferstehen. Die Überlegungen gelten einer modernen Regionalbahn, die öffentlichen Verkehr und Tourismus miteinander verbindet. Eine solche Strecke würde einige der bekanntesten Tourismusgebiete Österreichs miteinander verbinden: Salzburg, Mondsee, Wolfgangsee und Bad Ischl.
Was 1957 als Verkehrsmittel von gestern erschien, wird damit angesichts von Tourismus, überlasteten Straßen, Klimaschutz und dem Wunsch nach attraktivem öffentlichen Verkehr wieder als mögliche Infrastruktur von morgen betrachtet.
Und das Ybbstal?
Vielleicht sollte man deshalb auch dort mit dem Satz „Die Bahn ist Geschichte“ vorsichtig sein. Der Club 598 – Freunde der Ybbstalbahn verfolgt seit Jahren Ideen für eine touristische Bahnverbindung Waidhofen–Gstadt–Ybbsitz.
Und auf der Bergstrecke ist aus Hoffnung längst wieder praktische Eisenbahnarbeit geworden. Natürlich wäre eine Bahn des 21. Jahrhunderts keine einfache Rückkehr zur Ybbstalbahn von 1900 oder 1970. Aber genau das ist auch in Salzburg nicht die Idee.
Die entscheidende Frage lautet: Welche Rolle kann die Schiene im Tourismus und im öffentlichen Verkehr des 21. Jahrhunderts spielen?
30. September 1957 – 30. September 2026
Vielleicht lehrt uns gerade dieses Datum etwas. 1957 kämpften Menschen für den Erhalt der Ischlerbahn. Sie konnten deren Einstellung nicht verhindern. Jahrzehnte später wird darüber nachgedacht, diese Verbindung mit großem Aufwand wieder aufzubauen.
Auch im Ybbstal kämpften Menschen für ihre Bahn und vor allem dafür, die vorhandene Infrastruktur nicht unwiederbringlich zu beseitigen. Sie konnten den Abbau großer Streckenteile ebenfalls nicht verhindern. Doch ausgerechnet jetzt wird auf der historischen Bergstrecke wieder aufgebaut.
Und ausgerechnet am 30. September 2026 machte sich der letzte Waggon des Bahnhofs Ybbsitz auf den Weg genau dorthin. Vielleicht lautet daher die wichtigste Erkenntnis aus 69 Jahren zwischen drei 30. Septembertagen:
Eine Eisenbahn einzustellen dauert manchmal nur einen politischen Beschluss. Eine Eisenbahn wieder aufzubauen kann Generationen beschäftigen.
Und vielleicht sollte man deshalb Schienen nicht vorschnell herausreißen. Denn was einer Generation überholt erscheint, kann für die nächste plötzlich wieder eine Infrastruktur der Zukunft sein.Der 30. September 1957 und der 30. September 2026 erzählen davon auf bemerkenswerte Weise.
Bilder von Bahnfan Renate Wachauer bei der Ankunft in Kienberg Gaming:
Hier die Bilder von Renate Wachauer aus Ybbsitz:
Weitere Bilder von Karl Piaty bei der Abholung in Ybbsitz
Und was geschieht nun mit dem Bahnhofsgelände in Ybbsitz? Das ist noch nicht öffentlich bekannt, aber die Ideen sollen von Seiten der Politk bereits einen „Turbo“ eingebaut bekommen haben:
Übrigens: Nicht nur der Club 598 hatte einst gute Pläne für Ybbsitz:
30. September – ein Datum österreichischer Eisenbahngeschichte
Was können der 30. September 1957 und der 30. September 2026 miteinander zu tun haben? Sehr viel. Denn zwischen diesen beiden Tagen liegen genau 69 Jahre österreichischer Eisenbahngeschichte – und zwei Bahnen, deren Schicksal erstaunliche Parallelen aufweist.
Am 30. September 1957 fuhr der letzte Personenzug der berühmten Salzkammergut-Lokalbahn, der „Ischlerbahn“, zwischen Salzburg und Bad Ischl.
Genau 69 Jahre später, am 30. September 2026, verschwand mit dem letzten verbliebenen Eisenbahnwaggon am Bahnhof Ybbsitz ein weiteres sichtbares Stück der alten Ybbstalbahn.
Zwei Bahnen.
Zwei Regionen.
Zwei Generationen. Und doch eine verblüffend ähnliche Geschichte.
1957: Das Ende der Ischlerbahn
Die Salzkammergut-Lokalbahn verband Salzburg über Mondsee und den Wolfgangsee mit Bad Ischl. Sie war Verkehrsader und Touristenbahn zugleich und hatte großen Anteil an der touristischen Erschließung des Salzkammerguts. Als ihre Einstellung drohte, wollte sich ein großer Teil der Bevölkerung damit keineswegs abfinden.
Es entstand eine breite Protestbewegung für den Erhalt der Bahn. Zehntausende Menschen unterstützten die Forderung nach ihrem Weiterbestand.
Am 21. September 1957, nur wenige Tage vor dem endgültigen Aus, zogen rund 2.500 Menschen in einem Schweigemarsch durch Salzburg.
Eine Resolution für die Erhaltung der Bahn wurde übergeben. Gemeinden, Bevölkerung und Freunde der Bahn versuchten noch in letzter Minute, die Einstellung zu verhindern.
Doch es half nichts. Am 30. September 1957 fuhr der letzte planmäßige Personenzug.
Sehr bald danach verschwanden auch die Gleise.
Gerade das macht die damalige Entscheidung aus heutiger Sicht so interessant: Man stellte nicht nur den Betrieb ein, sondern beseitigte auch große Teile jener Infrastruktur, die eine spätere Wiederaufnahme ermöglicht hätte.
Ein halbes Jahrhundert später: die Ybbstalbahn
Auch im Ybbstal glaubten viele lange Zeit, dass „ihre“ Bahn nicht wirklich verschwinden könne. Nach Unwetterschäden 2009 wurde der Verkehr auf großen Teilen der Strecke nicht mehr aufgenommen. 2010 endete schließlich der ÖBB-Betrieb; das Land Niederösterreich übernahm die Infrastruktur.
Doch auch im Ybbstal wurde das Ende der Bahn von Teilen der Bevölkerung keineswegs widerspruchslos hingenommen. Es entstanden Initiativen für den Erhalt der Strecke. Club 598 und Pro Ybbstalbahn wurden zu den sichtbarsten Stimmen. Eisenbahnfreunde, Anrainer und Unterstützer versuchten zu erreichen, dass der Verkehr wieder aufgenommen oder zumindest die vorhandene Bahninfrastruktur nicht zerstört wird.
Dabei ging es vielen gar nicht um eine nostalgische Forderung nach einer alten Eisenbahn. Eine der wichtigsten Forderungen lautete vielmehr: Lasst zumindest die Schienen liegen.
Denn solange eine Bahntrasse samt Gleisen vorhanden ist, bleibt eine spätere Wiederaufnahme grundsätzlich denkbar. Sind Schienen entfernt, Grundstücke verändert und Abschnitte einer anderen Nutzung zugeführt, wird eine Rückkehr wesentlich schwieriger und teurer.
Es gab Veranstaltungen, Diskussionen, Unterschriftenaktionen und immer wieder öffentliche Forderungen nach dem Erhalt der Ybbstalbahn. Doch schließlich setzte sich bei den Politikern eine andere Lösung durch: nur Radweg, statt wie vom Landeshauptmann vorgeschlagen Bahn und Radweg !
Die Schienen zwischen Eurospar und Göstling wurden abgebaut, der Ybbstalradweg 2017 eröffnet. Auch die Gleisanlagen im Bahnhof Ybbsitz verschwanden.
Zwei Bahnen – und zweimal Widerstand
Gerade hier wird die Parallele zwischen Ischlerbahn und Ybbstalbahn besonders deutlich.
1957 protestierten die Menschen für die Ischlerbahn.
Mehr als 50 Jahre später kämpften Menschen im Ybbstal für ihre Ybbstalbahn.
In beiden Fällen gab es Stimmen, die davor warnten, nicht nur den Verkehr einzustellen, sondern auch die Infrastruktur endgültig zu beseitigen. Und in beiden Fällen konnten diese Stimmen den Rückbau großer Streckenteile letztlich nicht verhindern.
Das ist vielleicht die eigentliche historische Frage:
Wie endgültig darf eine Generation über eine Verkehrsinfrastruktur entscheiden, die vielleicht von der nächsten Generation wieder dringend gebraucht wird?
Und wieder spielt der 30. September eine Rolle
Fast könnte man meinen, dieses Datum hätte mit österreichischen Nebenbahnen eine besondere Beziehung. Denn nicht nur die Ischlerbahn fuhr am 30. September 1957 zum letzten Mal.
Auch bei der Ybbstalbahn fiel Jahre später ausgerechnet auf den letzten Septembertag ein wichtiger behördlicher Schritt: Der Auflassungsbescheid für Teile der Bahn wurde den betroffenen Gemeinden zugestellt.
Und nun der 30. September 2026. An diesem Tag wurden die letzten noch am Bahnhof Ybbsitz verbliebene Eisenbahnwaggon abtransportiert. Piaty Video war dabei und konnte diese außergewöhnliche Aktion mit Bildern und Video dokumentieren.
Der letzte Waggon von Ybbsitz
Es handelte sich um einen Gütertransportwagen aus dem Jahr 1941, der unter anderem für Pakete, Stückgut und Maschinen verwendet werden konnte. Vier weitere historisch wertvolle Waggons waren bereits zuvor abtransportiert worden. Nun kam der letzte an die Reihe.
Und schon sein Abtransport war technisch bemerkenswert. Der 85 Jahre alte Wagen wurde nicht einfach mit einem Kran auf einen Tieflader gehoben. Zum Einsatz kam ein Spezialfahrzeug der Pressnitztalbahn. Über eine in Deutschland dafür gebaute Rampe wurde der Eisenbahnwaggon auf das Transportfahrzeug gebracht.
Besonders eindrucksvoll dabei: Ein einziger Mann konnte den gesamten Vorgang per Funksteuerung durchführen. Piaty Video dokumentierte die ungewöhnliche Aktion vom Beginn bis zum Ende.
Dann verließ der letzte Waggon den ehemaligen Bahnhof Ybbsitz.
Sein Ziel: Kienberg-Gaming.
Und gerade dieses Ziel gibt der Geschichte eine unerwartete Wendung.
Der letzte Waggon fährt dorthin, wo die Bahn zurückkehrt
Während am 30. September 2026 in Ybbsitz der letzte Waggon verschwand, wurde er nicht verschrottet. Seine Reise führte ausgerechnet dorthin, wo ein anderer Teil der Ybbstalbahn wieder eine Zukunft bekommt: zur Bergstrecke Kienberg-Gaming–Lunz am See.
Diese berühmte Bergstrecke wird wiederhergestellt. Der Ötscherland-Express konnte wegen des Zustandes der Infrastruktur zuletzt nur einen Teil der Strecke befahren. Mit finanzieller Unterstützung des Landes dem Traditionsdenken des LH Stellverteter Landbauer und enormen ehrenamtlichen Leistungen der Eisenbahnfreunde wird daran gearbeitet, die gesamte Bergstrecke wieder befahrbar zu machen.
Damit soll ab dem kommenden Jahr wieder möglich sein, was bereits verloren schien: Eisenbahnbetrieb über die gesamte historische Bergstrecke von Kienberg-Gaming bis Lunz am See. So wurde dieser 30. September gleichzeitig zu einem Tag des Abschieds und der Hoffnung.
Der letzte Waggon verließ einen Bahnhof, an dem die Eisenbahn verschwunden ist – und fuhr zu einer Strecke, auf der die Eisenbahn wieder zurückkehrt.
Auch die Ischlerbahn ist nicht vergessen
Und damit schließt sich ein bemerkenswerter Kreis.
Denn auch die Ischlerbahn ist 69 Jahre nach ihrem letzten Betriebstag keineswegs vergessen.
Heute gibt es wieder konkrete Bestrebungen für eine moderne Bahnverbindung Salzburg–Mondsee–Bad Ischl. Dabei soll nicht die Dampfbahn des Jahres 1957 wiederauferstehen. Die Überlegungen gelten einer modernen Regionalbahn, die öffentlichen Verkehr und Tourismus miteinander verbindet. Eine solche Strecke würde einige der bekanntesten Tourismusgebiete Österreichs miteinander verbinden: Salzburg, Mondsee, Wolfgangsee und Bad Ischl.
Was 1957 als Verkehrsmittel von gestern erschien, wird damit angesichts von Tourismus, überlasteten Straßen, Klimaschutz und dem Wunsch nach attraktivem öffentlichen Verkehr wieder als mögliche Infrastruktur von morgen betrachtet.
Und das Ybbstal?
Vielleicht sollte man deshalb auch dort mit dem Satz „Die Bahn ist Geschichte“ vorsichtig sein. Der Club 598 – Freunde der Ybbstalbahn verfolgt seit Jahren Ideen für eine touristische Bahnverbindung Waidhofen–Gstadt–Ybbsitz.
Und auf der Bergstrecke ist aus Hoffnung längst wieder praktische Eisenbahnarbeit geworden. Natürlich wäre eine Bahn des 21. Jahrhunderts keine einfache Rückkehr zur Ybbstalbahn von 1900 oder 1970. Aber genau das ist auch in Salzburg nicht die Idee.
Die entscheidende Frage lautet:
Welche Rolle kann die Schiene im Tourismus und im öffentlichen Verkehr des 21. Jahrhunderts spielen?
30. September 1957 – 30. September 2026
Vielleicht lehrt uns gerade dieses Datum etwas.
1957 kämpften Menschen für den Erhalt der Ischlerbahn.
Sie konnten deren Einstellung nicht verhindern. Jahrzehnte später wird darüber nachgedacht, diese Verbindung mit großem Aufwand wieder aufzubauen.
Auch im Ybbstal kämpften Menschen für ihre Bahn und vor allem dafür, die vorhandene Infrastruktur nicht unwiederbringlich zu beseitigen. Sie konnten den Abbau großer Streckenteile ebenfalls nicht verhindern. Doch ausgerechnet jetzt wird auf der historischen Bergstrecke wieder aufgebaut.
Und ausgerechnet am 30. September 2026 machte sich der letzte Waggon des Bahnhofs Ybbsitz auf den Weg genau dorthin. Vielleicht lautet daher die wichtigste Erkenntnis aus 69 Jahren zwischen drei 30. Septembertagen:
Eine Eisenbahn einzustellen dauert manchmal nur einen politischen Beschluss. Eine Eisenbahn wieder aufzubauen kann Generationen beschäftigen.
Und vielleicht sollte man deshalb Schienen nicht vorschnell herausreißen. Denn was einer Generation überholt erscheint, kann für die nächste plötzlich wieder eine Infrastruktur der Zukunft sein. Der 30. September 1957 und der 30. September 2026 erzählen davon auf bemerkenswerte Weise.
Bilder von Bahnfan Renate Wachauer bei der Ankunft in Kienberg Gaming:
Hier die Bilder von Renate Wachauer aus Ybbsitz:
Weitere Bilder von Karl Piaty bei der Abholung in Ybbsitz
Und was geschieht nun mit dem Bahnhofsgelände in Ybbsitz?
Das ist noch nicht öffentlich bekannt, aber die Ideen sollen von Seiten der Politk bereits einen „Turbo“ eingebaut bekommen haben:
Übrigens: Nicht nur der Club 598 hatte einst gute Pläne für Ybbsitz:
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