Was früher ein „Kinderspielzeug“ war, soll nun zur „Lösung der Verkehrsprobleme“ beitragen – das wird den Waidhofnern nun versprochen.

Das meint der Bürgermeister auf seiner Facebookseite – hier die Originalaussage:
„So – heute haben wir die e-Scooter getestet, die ab 7. Mai Mars Konkurrenz und Waidhofen mobil machen 😉 ich kann euch sagen, ziemlich lässig 😎 und ab diesem Tag wird dann auch unser multimodaler Knoten am Hauptbahnhof in Betrieb sein, mit seinen 2 Sharing-Autos plus Integration der Angebote in der Wegfinder-App. Ich glaube, da können wir zusammen mit dem Dorfbus Windhag und dem entsprechenden Fahrzeug für Konradsheim und St. Georgen echt von einem Meilenstein in der Mobilität sprechen“

Denn Waidhofen / Ybbs erhält nun E-Scooter (Tretroller mit Motor) – der Bürgermeister und einige Stadträte haben dies sogar „bildlich“ angekündigt und dafür damit öffentlich die Werbetrommel gerührt.

Wurde dabei wirklich alles „zu Ende“ gedacht?
E-Scooter sind auf wenig befahrenen Asphaltstraßen sehr gut zu fahren, auf Bundesstraßen, bergauf und auf Pflaster dagegen eher problematische „Verkehrsmittel“ – das habe ich persönlich in Bamberg (gepflasterte Innentstadt) erlebt. Und das wurde dann dort getestet – hier ein Auschnitt des Spiegel Bericht

Karl Piaty sen: „Ich kenne diese Themen seit 1997 und kenne alle Vor- und Nachteile dieser Roller, Tretroller oder nun „E-Scooter“meist ist jede Stadt froh, wenn dieses Problem der herumliegenden Scooter und das Befahren von Gehsteigen damit erst gar nicht auftritt, aber vielleicht ist das in Waidhofen an der Ybbs doch anders„.

Sehen wir dazu einen Bericht von Spiegel TV:

Ob in Waidhofen die Polizei und die Stadtverwaltung große Freude mit den E-Scootern hat bezweifle ich aber sehr, kenne derzeit keine Stadtverwaltung in Europa, die mit diesen E-Scootern gut zu Rande kommt.

Wo wurden diese E-Scooter eigentlich erzeugt, haben sie womöglich sogar Lithium Batterien? Dazu vielleicht Erfahrungsberichte von anderen Städten:

https://www.inside-digital.de/news/e-scooter-die-groessten-probleme-der-elektroroller

Auch der ÖAMTC in Österreich befasste sich schon damit

„Freue mich schon auf meinen 1. Test, wenn ich damit in die Pfarrerbodensiedlung fahre oder in der „Kleinpflaster-Fuzo“, denn in Waidhofen (im Gegensatz zu anderen Städten) sind diese, auf Pflaster schwer zu lenkenden E-Scooter, ja auch erlaubt.
Viel politisches Glück den Mandataren, welche dafür persönlich Werbung gemacht haben – siehe Bild ganz oben“.

Oder hat gar unser Stadtdichter Fred Eichleter mit seinem Gedicht recht?
Wurde das von „weiter oben“ – von Politik und ÖBB unseren „Waidhofnern Politiker“ schmackhaft gemacht?

Ja, so ein Elektroroller
ist ein wundervoller, toller,
eleganter Alleskönner!
Alte „Datl‘n“ , junge Männer,
Omas, Kinder, Mütter, Frau‘n,
alle, die sich fahren trau‘n,
können stehend ,nicht im Sitzen,
durch Waidhofens Altstadt flitzen!

Man braucht nicht einmal mehr treten!
Lenken halt und manchmal beten,
wenn man keine Regeln kennt!
Aber will man justament
ihm sein Leben anvertrauen
heißt es schauen, schauen, schauen!

Sind die Klimageier kreisend
ist der Strom nun zukunftsweisend,
„Alles Strom“ so heißt es nun!
Ja, da gibt‘s noch viel zu tun!

Wir beginnen, ( ist‘s ein Holler?)
gleich mit dem Elektroroller
und wir werden Musterschüler
und zum „Erste-Geige“-Spieler,
brav und folgsam, teamgerecht,
so wie uns St.Pölten möcht‘!

Unser Bürgermeister ist
Trendsetter und Optimist,
der der E-Mobilität
sicher nicht im Wege steht!

Doch man fragt sich, meiner Seel‘
„Will er oder ist‘s Befehl?“

Zum Preis für das Ausleihen:
Laut Bürgermeisters Facebook in Waidhofen 50 Cent pro Fahrt plus 20 Cent pro Minute. 15 Minuten den Roller ausleihen kostet also 3 Euro 50 – ob bei diesen hohen Kosten die Scooter angenommen werden oder ob hier nicht der nächste „Flop“ beworben worden ist?

Karl Piaty sen.:
„Ich bin sicher einer der „längstdienden“ E-Rollerfahrer in Österreich. Aber ein Roller ist eben kein Scooter. Ich war bei der Gesetzesfindung durch die damalige Verkehrsministerin Forstinger bei der Begutachtung dabei.

Und ich kenne in vielen Städten Europas die von den E-Scootern damit hervorgerufenen Probleme. Ob Waidhofens Straßen dazu geeignet sind wage ich zu bezweifeln, denn dazu ist eine „gewachsene Stadt“ nicht vorgesehen. Meist sind E-Scooter in Fußgangerzonen ja verboten, aber Waidhofen erlaubt dort das Fahren mit Rädern, und daher auch mit E-Scootern.

Da sind Probleme mit den Fußgängern nicht nur programmiert, nein sie sind eben sogar „politisch angeregt“ worden. Statt den Fußgängern in der Innenstadt mehr Sicherheit zuzugestehen wird das Gegenteil gefördert.

Der doch hohe Preis für eine Fahrt und die zusätzliche Minutengebühr bringen den Verleihfirmen natürlich satte Umsätze – aber meist nur in Städten wo es auch eine U-Bahn und Straßenbahnen gibt – wo also die Frequenz an Besuchern stimmt. Warten wir ab, wie sich das in Waidhofen entwickelt – gibt zumindest sicher viele „nette“ Videos zu drehen.

Tipp des Tages:
Das sollte jeder Waidhofner Politiker lesen und sich eine Meinung bilden.

Der Verleihfirma soll und kann man das Geschäft  nicht verbieten, aber ob man als Politiker dafür “Werbung”  machen soll, das ist schon einer Frage wert.
https://taz.de/Das-Problem-mit-den-E-Rollern/!5611004/

Und für alle, die einmal in einen Unfall mit einem „E-Scooter“ verwickelt werden könnten sei dies auch zum Nachdenken geeignet:

Der Standard – Ausschnitte:
Wann E-Scooter-Fahrer bei Unfällen versichert sind!

Mit einer Maximalgeschwindigkeit von bis zu 25 km/h kann es auf E-Scootern schon recht rasant zugehen – zumal sich bei einem Unfall die Knautschzone oft in der Kleidung der Fahrer erschöpft.

Der Boom von E-Scootern prägt zunehmend das urbane Stadtbild, vor allem in der warmen Jahreszeit. Des einen Freud, des anderen Leid: Sorglos abgestellte geliehene E-Scooter sorgen oftmals für Ärgernis, ebenso das zunehmende Gedränge auf so manchem vielbefahrenen Radweg.

Schließlich wurden die Roller in der jüngsten Änderung der Straßenverkehrsordnung mit Fahrrädern gleichgesetzt. Damit dürfen Benutzer nicht auf dem Gehsteig fahren und Alkohol nur bis zur Grenze von 0,8 Promille konsumieren. Allerdings ist es mit diesen bis zu 25 km/h schnellen Geräten erlaubt – sofern dies vorgesehen ist -, wie Radfahrer gegen die Einbahn zu fahren.

Entsprechend kommt es auch immer häufiger zu Unfällen mit E-Scootern. Laut dem Kuratorium für Verkehrssicherheit hat es allein im letzten Quartal 2018 rund 200 Unfälle mit den Elektrorollern gegeben.
Aber welche Versicherung haftet im Schadensfall?

Medienreaktion NÖN:

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