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26 Kinder

26 Kinder – eine Zahl bekommt plötzlich ein Gesicht

Es war heute ein ganz besonderer Besuch in der Ybbstaler Bergbauernstube aus dem Jahr 1614 in der Bäckerei und Zuckerbäckerei Piaty in Waidhofen an der Ybbs.

26 Kinder der Sommerschule Waidhofen kamen gemeinsam mit ihren Betreuerinnen, um diese alte Volkskundesammlung zu besuchen. Sie saßen und standen dicht beieinander in jener Stube, die vom Familienleben vergangener Jahrhunderte erzählt.

Und plötzlich bekam die Zahl 26 eine ganz andere Bedeutung.

Denn tatsächlich gab es in Waidhofen an der Ybbs eine Bäuerin, die in den 1940er-, 1950er- und 1960er-Jahren 26 Kinder zur Welt brachte. Eine einzige Mutter – 26 Kinder.

Was heute beinahe unglaublich klingt, ist überliefert und wurde auch in jenem Bildband festgehalten, der mit den historischen Fotografien von Karl Piaty sen. (1910–1989) ein Stück Lebensgeschichte des Mostviertels bewahrt.

Besonders unvorstellbar erscheint ein einziges Jahr im Leben dieser Frau: Innerhalb dieses Jahres brachte sie fünf Kinder zur Welt – einmal Drillinge und einmal Zwillinge.

Man kann diese Zahlen lesen. Man kann sie weitererzählen. Aber erst wenn 26 Kinder gemeinsam in einer alten Bauernstube stehen, beginnt man zu begreifen, was 26 Kinder eigentlich bedeuten.

26 Kinder, die morgens aufstehen wollten.
26 Kinder, die Hunger hatten.
26 Kinder, die Kleidung brauchten.
26 Kinder, die krank wurden, lachten, weinten, stritten und wieder miteinander spielten.
Und mittendrin eine Mutter.

Das Familienleben auf einem Bauernhof im Mostviertel jener Zeit hatte wenig mit unserer heutigen Vorstellung von Kindheit und Haushalt zu tun. Es gab keine Waschmaschine, keinen Geschirrspüler, keine Zentralheizung und keinen schnellen Einkauf zwischendurch. Vieles, was eine Familie benötigte, musste selbst erzeugt, verarbeitet, repariert und für den Winter vorbereitet werden. Und neben all dem wartete die tägliche Arbeit am Hof.

Gerade deshalb erzählt dieses Foto mehr als nur von einem netten Besuch der Sommerschule.

Es schlägt eine Brücke zwischen zwei Generationen.

Die 26 Kinder von heute stehen stellvertretend für jene 26 Kinder von damals. Sie machen sichtbar, was eine nüchterne Zahl niemals vermitteln könnte: wie groß eine solche Familie gewesen sein muss, wie viel Leben ein einziges Bauernhaus erfüllte – und welche ungeheure Leistung insbesondere eine Mutter damals zu bewältigen hatte.

Vielleicht ist gerade eine mehr als 400 Jahre alte Bauernstube der richtige Ort, um sich daran zu erinnern.

Denn alte Häuser bewahren nicht nur Möbel, Bilder und Gegenstände.

Sie bewahren Geschichten von Menschen.

Und an diesem Tag erzählten ausgerechnet 26 Kinder eine davon weiter – ohne es zunächst überhaupt zu wissen.

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