Abschied vom Kulturerbe

Der Bürgermeister von Ybbsitz (N.Ö. Mostviertel), Josef Hofmarcher, duldet in seiner Gemeinde keinerlei Erinnerung an die Ybbstalbahn. Diese wichtige Stichstrecke von Gstadt nach Ybbsitz wurde unter Kaiser Franz Josef im Jahre 1899 eröffnet und brachte dem kleinen Ybbstal einst Arbeit und Reichtum. Nachdem die N.Ö. Landespolitik beschlossen hatte, diese Bahn einzustellen, blieb nur noch die Erinnerung daran. Der ÖBB Pensionist Herbert Marko baute in jahrzehntelanger ehrenamtlicher Arbeit das bekannte Eisenbahnmuseum auf. 30.000 Besucher seit der Eröffnung, zahlreiche Medienauftritte im Fernsehen und vorbildliche Museumstätigkeit bis hin zur „langen Nacht der Museen“ des ORF prägten das Kleinod im denkmalgeschützten Bahnhof. Doch auch dies duldete der Bürgermeister nicht. Ohne Gemeinderatsbeschluß verfügte er das Ende des Pachtvertrages und befahl eigenmächtig die Räumung. Um die wertvollen Gegenstände in ihrer Gesamtheit zu retten, wurde alles für ein Eisenbahnmuseum in Rumänien abgegeben. Dort gibt es ebenfalls einen Bahnhof von Kaiser Franz Josef, dort soll das österr. Kulturgut vor der Zerstörungswut des regionalen Politikers gerettet werden. Eine traurige Geschichte über Ehrenamt und Kulturerbe – mitten in Österreich.

Der letzte Tag des Eisenbahnmuseum Ybbsitz:

Anfang und Ende einer großen Zeit – 1899 und  2017  Eisenbahn Ybbsitz

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