Ostern 2021: Viel Hektik für den Stadtpfarrer Herbert Döller aus Waidhofen / Ybbs. Nachdem derzeit die alten Glocken neuen Glanz und neue Aufhängungen bekommen, um zu Ostern wieder das „volle Geläut“ zu ermöglichen, hat auch das alte Getriebe der Turmuhr Probleme bereitet. Ein neuer Motor, ein neues Getriebe mußte angeschafft werden. Beim Einstellen des neuen Antriebes über die alten Steuerstangen durch den Gallneukirchner Monteuer & Uhrenspezialist Kopatsch von der Firma Schauer Sachs durfte Karl Piaty sen. persönlich am Turm mit dabei sein und hat dieses kleine Video dabei gedreht.
So können jetzt alle Waidhofner miterleben, wie das so funktioniert mit ihrer alten „Kirchturmuhr“!

Stadtdichter Fred Eichleter hat dazu ein sehr schönes Gedicht geschrieben. Vielleicht gibt es noch vor Ostern ein eigenes „Pitzi“ Bücherl über Glocken und Uhr der Stadtpfarrkirche Waidhofen / Ybbs

Eichleter mit Stadtturmbücherl
Uhrenmonteur Kopatsch

So wie der Turm zur Kirche
gehört die Uhr zum Turm,
gemeinsam überstanden
sie aller Zeiten Sturm!

Und jedermann(frau) erwartet,
dass eine Turmuhr „geht“
und keiner ihrer Zeiger
kaputt ist oder steht!

Doch altern nicht nur Menschen,
es altert auch die Uhr!
Es zog das Uhrgetriebe
getreulich seine Spur,
…ist kaum in all‘ den Jahren
verrostet und verstaubt
und hat aus jedem Winkel
den Blick zur Zeit erlaubt!

Doch letztlich haben Zähne
der Zeit dazu geführt
dass uns‘re stolze Turmuhr
das Zeitgefühl verliert!

Ein junger „Uhrendoktor“,
der repariert sie sacht,
und hat für hundert Jahre
den Pulsschlag neu entfacht!

Nun weiß man endlich wieder
was es geschlagen hat!
Die Turmuhr tickt zufrieden
für Menschen, Land und Stadt!

Kononikus Mag. Herbert Döller

Stadtpfarrer Herbert Döller hat dem Kulturkreis Freisingerberg eine sehr gute Erklärung zu dieser historischen Uhr mitgeteilt.

Er hat es auch ermöglicht, daß Karl Piaty mit der Kamera den Turm begehen konnte und von den Glocken- und Uhrarbeiten auch in Bildern zu berichten.
Demnächst erschein ein eigenes Bücherl dazu.

Es fällt gar nicht auf, dass sie da ist, aber dann, wenn sie steht, bemerken es alle.
Dass fast alle Kirchen, oft auch Rathäuser oder andere öffentliche Bauten, eine Uhr haben kommt wohl noch aus der Zeit, in der der Mann auf der Straße für gewöhnlich keine Uhr hatte. So diente eine Turmuhr dazu, dass alle die gleiche Zeit hatten. Und damals hatte man noch Zeit. Da spielte es keine Rolle, ob eine Uhr ein paar Minuten voraus lief oder hinten blieb.

Die alten Turmuhren waren komplizierte technische Gebilde. Es gehörte zum Stolz jedes Uhrmachers, dass er sich auch auf die Reparatur solcher Uhren verstand, bzw. auch ihre Herstellung beherrschte. Wer die letzte Kirchturmuhr Waidhofens hergestellt hat, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, da das Werk leider als Ersatzteillager für Zahnräder verwendet wurde und auch kein Firmenschild, wie sie im 19. Jahrhundert durchaus üblich waren, mehr am Werk angebracht war. Es gibt aber Nachrichten von Reparaturen durch heimische Uhrmacher, sodass man durchaus auch von einem heimischen Hersteller ausgehen kann.

Das Werk stand einst im Geschoß unter den Glocken und war sicher eingehaust und versperrt, damit Sabotage hintangehalten werden konnte. Heute noch sieht man in den Zwischenböden des Kirchturms die breite Auslassung für das Pendel und die Gewichte, die noch im Kirchendachboden vorhanden sind und einfach aus Steinen gefertigt waren. Die Turmuhr muss man sich also wie eine riesige Pendeluhr vorstellen. Der Drehimpuls für die Zeiger wurde durch ein kompliziertes Gestänge über zwei Geschoße in die Höhe zu den Zeigern weitergegeben. Eine Abzweigung ging oft auch in den Kirchenraum zu einer Uhr.

Böse Zungen sagen, dass der Pfarrer sieht, wie lang er predigt. Der Mesner musste jede Woche auf den Turm hinaufsteigen und die Gewichte, die nach unten gesunken waren mit einem Werfel hochziehen. Darum heißt es bis heute “die Uhr aufziehen”. Das war eine durchaus anstrengende Tätigkeit, und der Mesner wurde dafür eigens entlohnt, wie die alten Kirchenrechnungen ausweisen. Dabei war es in Waidhofen ein Luxus gegenüber anderen Pfarren, wo tägliches Aufziehen notwendig war.

Das Prinzip der Kirchturmuhr ist bis heute gleichgeblieben. Nur die Uhr empfängt ihren Impuls, den sie per elektrischen Strom weitergibt, als Funksignal von Frankfurt am Main. In einem zentralen Getriebe auf der Höhe der Uhrzeiger wird der Impuls jede Minute nach allen vier Richtungen an die Zeiger weitergegeben.

Wie kommt es nun zum Glockenschlag? Früher war das Uhrwerk unter den Glocken angeordnet, und es führte von dort auch ein Gestänge an zwei Glocken heran, das zu gegebener Zeit einen Hammer auslöste, der gegen die Glocke fiel.

Heute braucht es kein Gestänge mehr sondern eine Computersteuerung in der Sakristei und eine Elektroleitung, die zu den Hämmern an den Glocken führt, durch die alle Viertelstunde die Schläge in entsprechender Zahl ausgeführt werden. Der Rathausturm hatte einst eigene Schellen für den Stundenschlag wie sie jetzt nur mehr in der Bürgerspitalkirche vom Turm erklingen.

Am selben Tag, als in Waidhofen / Ybbs die „Kirchturmuhr“ neu „motorisiert“ und exakt eingestellt wurde, berichtete auch der Kurier über dieses Handwerk:

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