Mostviertel Waidhofen

Die „heiße Stadt“!

19. Juni 2024 – erster heißer Sommertag und erste „Tropennacht“ 2024.
Ort: Freisingerberg in Waidhofen / Ybbs

Die Temperatur der Pflastersteine betrug um 15 Uhr zwischen 58,5 und 60,4 Grad Celsius. Hohe Temperaturen speichern diese im starren Verbund verlegten Granit-Steine großteils bis zum Sonnenuntergang (ca. 21 Uhr) um erst dann abzukühlen. Dabei wird dann die gespeicherte Hitze wieder nur langsam (wie beim Kachelofen) an die Umgebung abgegeben. Viele Dauer-Tropennächte in der Innenstadt sind die logische Folge.

Die Temperaturen am Freisingerberg liegen (gemessen) immer rund 4 Grad über den ORF Meßwerten. Und so war es nicht verwunderlich, daß in der Nacht vom 19. auf den 20. Juni die erste „Tropennacht“ gemessen wurde.

Sogar die außerhalb der Innenstadt (ORF) gemessene Temperatur lag nur knapp unter den entscheidenden 20 Grad, am Freisingerberg hatte es um 5 Uhr früh noch immer 22 Grad.

Ebenfalls aktuell an diesem Tag: Minister Johannes Rauch verkündet am 19. Juni 2024 den lange erwarteten und lange vorbereiteten Hitzeschutzplan:
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20240619_OTS0064/nationaler-hitzeschutzplan-vulnerable-gruppen-im-fokus

Bundesminister Johannes Rauch und Karl Piaty sen. im Gespräch –
beim Sommerministerrat 2023 im Bundeskanzleramt

Jeder der schon einmal nach einem sonnigen Sommertag am Abend in die Innenstadt kam, fühlte es – die Innenstadt wird, wie von einem „Kachelofen“ aufgeheizt, und damit auch in der Nacht nicht kühl.

Der Grund ist einfach zu verstehen. Pflastersteine aus Granit heizen sich wie ein Kachelofen auf und geben diese Hitze stundenlang weiter ab. Manche Steine werden bis zu 60 Grad heiß – da läßt sich darauf sogar „Eierspeis“ machen:

2015 wurden die heißen Pflastersteine dokumentiert, dieses Video wurde bisher an die 15.000 mal gesehen

Auch Asphalt heizt sich am Tag sehr auf, aber er kühlt Abends auf Grund seiner geringeren Dichte schnell aus – ein Effekt der bei Pflastesteinen leider fehlt.

2024 wird das „Problem der heißen Städte“ auch in Waidhofen / Ybbs diskutiert. Bürgermeister Werner Krammer lädt dazu offiziell ein:

Der Effekt der Versickerung von Regenwasser ist bei „Pflasterungen“ üblicherweise gegeben – Das ist seit tausenden Jahren bekannt, war auch bei der Pflasterung der Innenstadt im Jahre 1938 noch so.

Nicht so in Waidhofen / Ybbs nach dem Jahr 2000: Hier wurde vom Architekt eine Verlegeart der Steine in Auftrag gegeben, bei der die Steine statt im üblichen „Gewölbeverband“ (Rundung nach oben) „starr und gebunden mit Rundung nach unten“ in Betonschichten liegen. Es ist erfreulich, daß darüber nun auch offiziell und öffentlich diskutiert wird.

Wie es die Wissenschaft sieht:
Besonders ausgeprägt ist er aber in sommerlichen Nachtstunden, sodass sogenannte Tropennächte, in denen das Thermometer nicht unter 20 Grad Celsius fällt, in den Städten inzwischen bis zu dreimal häufiger pro Jahr vorkommen als außerhalb. Grund dafür sind versiegelte Flächen, die die Hitze des Tages stärker speichern, nachts aber langsamer abgeben als Freiflächen.

Kanadische Wissenschaftler haben den UHI-Effekt bereits im Jahr 1982 untersucht und kamen in ihrer Studie zu dem Ergebnis, dass zwischen Stadt und Umland im Schnitt ein Temperaturunterschied zwischen einem und fünf Grad Celsius, in extremen Fällen sogar bis zu neun Grad Celsius herrscht. 40 Jahre später beträgt der UHI-Effekt bis zu zehn Grad Celsius. In Hinblick auf den fortschreitenden Klimawandel und die weiterhin steigenden Temperaturen muss man davon ausgehen, dass die Anzahl von Tropennächten und Hitzetagen weiter zunehmen wird – und damit der urbane Hitzeinseleffekt.

Natürlich gibt es in Waidhofen / Ybbs auch über die offiziell gemessenen 39,8 Grad moderne Räume die weit höhere Temperaturen erreichen:

Hier wurden auch „Hochzeiten“ durchgeführt – aber davon hört man jetzt weniger.

Und selbst der ORF hat das alles schon einmal dokumentiert und auch österreichweit „ausgestrahlt“:

Wer da mit den Kameraleuten gesprochen hat, der wird deren Aussagen nie vergessen.

Und natürlich kennt man in Österreich die „Problematik in „Hitze von Waidhofen / Ybbs“:
Armin Wolf berichtet sogar in ZIB 2 darüber:

Das war vor 15 Jahren – aber auch 2024 steht der „blaue Piaty E-Roller“ als positives Beispiel gelebter E-Mobilität in einem ORF Bericht im Focus – Ausstrahlung geplant am Sonntag 30. Juni 2024 – 19 Uhr NÖ Heute

Dabei sind diese Probleme ja schon länger bekannt – hier ein BLOG von 2020:

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