Derf`s a bisserl mehr sein ?

Dieser Spruch bezieht sich aktuell auf die Kosten der Pflasterung am Hohen Markt. Sehr rasch ließ Bürgermeister Werner Krammer „die 1. Katze aus dem Sack“. Zusätzliche 38.650.- Euro hat er  per Dringlichkeitsverfügung „locker“ gemacht. Das sind voererst einmal 12 % Mehrkosten – beachtlich !

Das Video zeigt einen Ausschnitt seiner Mitteilung an den Gemeinderat. Begründung – „Die architektonische Planung wurde nach dem Baubeginn noch einmal überarbeitet“ !   Hören und sehen sie dazu die entscheidenden Passagen:

Obwohl der Gemeinderat der Stadt Waidhofen an der Ybbs erst am 16. Juli 2018 rund 310.000 Euro für die Pflasterung des Hohen Marktes beschlossen hat, hat Bürgermeister Werner Krammer schon Ende Juli 2018  die erste „Kostenüberziehung“ per Dringlichkeitsverfügung genehmigt. Am 1.Oktober 2018 teilte er dies dem Gemeinderat öffentlich mit.

Und dabei wird es sicher nicht bleiben –
das wissen sicher alle, welche die Bauarbeiten aufmerksam verfolgt haben.

Gut gemeint“ ist die mildeste Bezeichnung für „falsch gelaufen“.
Dieser Satz ist sehr passend für die Pflasterung des Hohen Marktes.

Stadtberater Ritsch aus Vorarlberg bekam viel Geld für seine Ratschläge für den Hohen Markt. Besonders für einen besseren Bodenbelag machte er sich stark und stellte fest, daß auch der Hohe Markt jene Pflasterqualität bekommen soll, wie es die Ölberggasse / Hörtlergasse bereits hat. Damit war von seiner Seite vorgegeben, daß er Granit – Kleinsteinpflaster in historischer Verlegeart meinte. Diese Verlegeart ist auch unbedingt notwendig, um eine Totalversiegelung der Flächen zu verhindern, da eine betongebundene Verlegeart von Kleinsteinen wasserundurchlässig ist.

Was aber wurde dann tatsächlich gemacht?

Architekt Dipl. Ing. Ernst Beneder, wurde beauftragt die Planung für dieses Pflaster zu machen. Aber es wurde nicht die wasserdurchlässige, historische Pflasterung gewählt, sondern eine „durchgehend bodenversiegelnde Betonfugenpflasterung“.

Aber es gibt noch viel gravierendere Fehler dieses Pflasters am Hohen Markt. Denn in der Gemeinderatssitzung wurde gefordert, in der Mitte einen behindertengerechten (Rollstuhl und Rollatortauglichen) Streifen zu errichten.
Leider wurde dieser aber dann nicht in der Mitte  eingeplant und ausgeführt, sondern dort, wo die Geschäfte ihre Warenausräumungen platzieren – also ist dieser Streifen nun nicht frei benützbar, noch dazu hängt er teilweise zur Mitte  hin, was für Rollstuhlfahrer eine große Behinderung darstellt.

Hoher Markt Pflaster 1

Auch bezüglich Optik sind noch viele Fragen offen. Denn geschnittene und darüber hinaus sandgestrahlte Kleinsteinpflaster werden damit auch in ihrem optisches Aussehen stark verändert. Wenn derartig kunstgriffig behandelte Steine in ein Betonbett verlegt und dann auch noch mit hellen Betonmischungen verfugt werden, werden sie zu „grauen Mäusen“ und verwandeln so eine Pflasterung in einen zu einheitlichen und „zu eintönigen Mischmasch“.

Die sehr gut gestalteten und verlegten Mosaike am Hohen Markt kommen damit viel zu wenig zur Geltung, schade für diese hochwertige und teure Pflasterarbeit.
Vor dem Verfugen sah man die schöne Pflasterarbeit sehr gut, die Bilder zeigen dies sehr anschaulich – aber die spätere Verfugung machte dann alles „optisch zunichte“

Pflaster rund Hoher Markt 1 (2)Nur vor der Verfugung zeigte das Pflaster seine optische Qualität!
Pflaster rund Hoher Markt (2)

Um diese Mosaike besser zu sehen, muß man sich nun beeilen. Denn während der „Auftrocknungsphase“ (nach einem Regen) sind sie kurz gut sichtbar. Aber wenn alles trocken ist verschwinden die Mosaike leider wieder, und die sandgestrahlten Steine in Verbindung mit einer zu  hellen Fuge erzeugen leider rasch wieder den zu grauen und für eine Flaniermeile zu faden Eindruck der teuren Bodengestaltung.

 

So sehen die mosaikartig verlegten Pflasterungen z.B. in Mariazell aus:

 

So unscheinbar zeigen sich dagegen die aufwändig verlegten Mosaike in Waidhofen:
Hoher Markt Pflaster 3

Lediglich in jenen kleinen Teilbereichen, wo nur dunkle Pflastersteine verlegt und diese hell verfugt wurden, (z.B. Durchgangbeginn Hartner) kommen die „gepflasterten Bögen“ optisch gut zur Geltung.

 

Die Homepage der Stadt Waidhofen kündigt bereits für den 6. Oktober 2018 die „Eröffnung“ an:   https://waidhofen.at/veranstaltungen

Freuen wir uns trotz der etwas zu eintönig geratenenen Pflasterung auf das neue Gesamtbild des Hohen Marktes.  Die Bürgermeister sprechen dabei ja immer vom „Wohnzimmer der Stadt“. Und ein „Wohnzimmer“  braucht eben zum „Wohlfühlen“ eine gute, bequeme  und gefällige Einrichtung.

Für eine FUZO sind bequeme Ruhebänke mit Rücken- und Armlehnen, senioren- und kindergerechte  Möblierungen, passende Blumenkörbe und ausreichend Mistkübel ein „Muß“.  Lassen wir uns alle überraschen, wie diese wichtigen Aufgaben von den Gemeindeverantwortlichen gelöst wurden.

Freuen wir uns, wenn nunmehr bald mehr „Bewegung und Geschäftstätigkeit“ am Hohen Markt einziehen werden und sich die Aussagen  vom Vorarlberger Stadtberater Ritsch  bewahrheiten. Die Stadt hat viel Geld für  auswärtige  Beratern ausgegeben, es darf daher vom Zahler ( den Waidhofnerinnen und Waidhofnern) erwartet werden, daß das Endergebnis alle überzeugen wird.

Schauen Sie doch am Samstag den 6. Oktober von 9 – 12 Uhr am Hohen Markt zur Eröffnung vorbei – Überraschungen sind angesagt.
Die Geschäftsleute und Anrainer haben eine schwere Zeit hinter sich –  freuen wir uns mit Ihnen, daß nun die baustellenbedingten Ärgernisse vorbei sind.

Übrigens: Die Pflasterer haben ganz hervorragende Arbeit geleistet. Sie können nichts dafür, daß ihre so exakte Mosaikpflasterei nicht entsprechend zur Geltung kommt, denn für das Steinmaterial, die Verfugungsfarbe und die in weiten Teilen so schlecht begehbaren „Kleinsteine“ können sie nichts.

Baggerfahrer

Medienartikel zum Thema:
NÖN:
NÖN Pflasterkosten Erhöhung

Tips:
Pflaster Gemeinderat tips

Näheres zum FUZO-pflastern auf:
https://piaty.blog/2018/08/21/pflastern-anderswo/