Die Waidhofner Fußgängerzone nennt sich „Hoher Markt“ weil hier einst das Marktgeschehen der Stadt ablief. Aber „Tradition“ wird in Waidhofen leider weit hinter „Moderne“ gereiht und so findet der Kulturkreis Freisingerberg die einstigen Worte des Stadtdichters Fred Eichleter auch als Rückschau aufgelistet, sehr passend:

Geister am Hohen Markt

Schau dich nur um auf diesem Platz
in uns‘res Städtchens Mitte!
Und werd‘ dabei nicht grün und gelb
grad so wie eine Quitte!

Hier wogte einst das Einkaufsleben!
Hier schlenderten die Kunden!
So mancher hat hier jahrelang
gar vielerlei gefunden!

Der „Hohe Markt“ war einst gefragt,
da lebten Spezialisten,
Geschäfte gab es hier zu Hauf‘
und keine Einkaufswüsten!

Gemeinsamkeit war das Gebot,
man hielt hier fest zusammen!
die „FUZO“ war ein Musterstück
…. bis dann die „Macher“ kamen!

Und Macher machen manches gut,
nur zeigt dann oft die Zeit,
dass man auch manchmal „Scheisse“ baut,
….so war es, tut mir leid!

Schaut euch nur um, wie leere Augen
glotzen euch Scheiben an,
ein düst‘res Bild in uns‘rer Stadt,
kaum, dass ich‘s schreiben kann!

Jetzt sucht man wieder Wunderwuzzis,
die hier noch helfen können,
damit durch all‘ die Geistershäuser
bald keine Geister rennen!

Ob es gelingt ein neues Leben
in diesen Fleck zu hauchen?
Ich wünsche allen, dass es klappt,
die Stadt könnt‘s dringend brauchen!

Doch es kam Anders, und mit dem Hang zu übertriebenen Moderne wurde der Hohe Markt regelrecht „ausgeblutet“. Ein schnelles Internet für den „Hausgebrauch“ war schon Jahrzehnte dort vorhanden, mit dem neuen 5G Standard wird es bald über Funk und daher ohne Kabel in jedes Haus auch ein „ultraschnelles Internet“ überall in Waidhofen geben. Aber der Gemeinderat nahm diese Entwicklung nicht an, und so wurde der Hohe Markt zur Künettenhölle.

Wieder war Stadtdichter Fred Eichleter hier sehr „vorausschauend“:

Aufgrabung wegen Internet!

Die ganze Stadt wird aufgegraben,
es war so ruhig und still!
Jetzt reißt man jeden Gehsteig auf
weil die Gemeinde will!

Es trödelt unser Internet,
hat „Langsamkeitsbeschwerden“
und weil die Zeiten anders sind,
muß alles schneller werden!

Bald saust ein jeder wie der Blitz
durch tausend Datenbanken.
Den Anschluß an die weite Welt
wird jeder Bürger danken!

Ein kleiner Klick mit einer Maus
schon streamt sich jede Mutti
von uns‘rer Stadt nach Feuerland,
wenn‘s sein muss nach Tschibutti!

Und jeder Kaufmann freut sich sehr,
wenn er Bilanzen sichtet,
dass ihm der Hohe Magistrat
den Gehsteig wieder richtet!

Nur, Kabelstrang und Stadtbildpflege
läßt kaum sich kombinieren,
denn Pflasterer gibt‘s nicht so viel
wie freche Bildschirmviren!

Aber das war nicht genug: Daher puschte man auch noch die „Idee“ des „gelben Sackes“. Für den Stadtrand vielleicht eine Lösung, wurde aber diese „Errungenschaft“ auch der engen Innenstadt „verpasst“.

Ungestellte Aufnahmen beim Dämmerschoppen im September 2020.

Das war an einem Freitag – die Abholung war dann am Mittwoch drauf – bis dahin türmte sich noch mehr Plastikmüll am Hohen Markt auf – doch die Stadtpolitik verkündet laut „Plastikfreie Stadt“
…. ja, es soll noch Hühner geben, die darüber lachen.

Was dazu Stadtdichter Fred Eichleter wohl „vorahnend“ schrieb?

Gelbe Säcke!

Bald türmen sich in jeder Ecke
gar viele gelbe Plastiksäcke
auf Strassen, Gassen, kleinen Plätzen,
gefüllt mit unsern Plastikschätzen!

Ein jeder hatte es im Blut,
dass man das Kunststoffsammelgut
mit Eifer, Leidenschaft und Mut
in eine große Tonne tut!

Doch damit ist es nun vorbei!
Und wie es scheint, schon Anfang Mai
steckt man in Zukunft Plastikflaschen
in übergroße gelbe Taschen….
….sprich „gelbe Säcke“ tonnenweise
und spart sich damit still und leise,

  • Gott mög` der Politik es lohnen –
    bestimmt gleich viele Millionen!

Sechs Wochen dauert das Entsorgen!
…Ob sie uns Fliegenklatschen borgen,
-vielleicht geh´n wir auch bald vermummt-,
wenn es dann ringsum brummt und summt!

Wer hat das eigentlich bestimmt?
Ob das ein gutes Ende nimmt?
Zum Glück wirft man „nur“ Plastikflaschen
in Zukunft in die gelben Taschen!

Ob es gelingt ein neues Leben
in diesen Fleck zu hauchen?
Ich wünsche allen, dass es klappt,
die Stadt könnt‘s dringend brauchen!

Mit der Aufstellung von unbequemen und daher von der Bevölkerung nur sehr mürrisch aufgenommen „Stadtmöblierungen“ haben die „Stadtverantwortlichen“ dann aber „den Vogel“ voll abgeschossen.

Dazu schrieb der Stadtdichter aktuell am 29. September 2020:

Die Bankerl als Ärgernis:

So geht‘s auch nicht, meine Herrn!
Uns‘re Zeit ist zwar modern
und man liebt, ob‘s allen passt(?)
das Abstrakte, den Kontrast
zwischen alt und zwischen jung!
Aber die Begeisterung
hält sich manchesmal in Grenzen!
Außerdem gibt‘s zu ergänzen,
dass man schon darüber klagt,
weil Bewohner nicht gefragt!

Nehmt das Beispiel „Hoher Markt“!
Mancher steht vorm Herzinfarkt,
denn die teure Etablierung
dieser „tollen“ Neumöblierung
ist doch wirklich allerhand
und für d‘Altstadt eine Schand‘!

Wer entscheidet solche Sachen,
die Bestürzung nur entfachen,
denn Gemütlichkeit und Flair
sind dort weg und gibt‘s nicht mehr!

Auch wenn Anrainer jetzt motzen!
Vor Touristen kann man protzen,
alte Stadt zeigt sich modern!
…Vielen Dank, ihr lieben Herrn!

Näheres dazu auf:
https://piaty.blog/2020/09/29/bankerl-wechsel/


Wie haben die Anrainer dafür gekämpft, daß ihre Fußgängerzone zu keiner schlecht begehbaren und daher unbeliebten Zone wird. Hans Pöchhacker und seine liebe Frau Anke haben dies öffentlich gemacht und die Anrainer haben es Ihnen gedankt.
Aber die Stadt ist hart gebieben und hat die FUZO im Stich gelassen.
Es floß viel Geld – aber scheinbar in die „falsche Richtung“.

Leserbrief in den Tips – an jeden Haushalt
Dankschreiben samt „Blumengruß“ von den Anrainern

Letzte Meldung aus der Fußgängerzone:
https://www.willhaben.at/iad/immobilien/d/haus-kaufen/niederoesterreich/waidhofen-an-der-ybbs/stadthaus-mit-gewerbeanteil-in-der-fussgaengerzone-399047862/

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