Vor 332 Jahren erhielt die Stadtpfarrkirche Waidhofen / Ybbs eines der stimmigsten Kirchengeläute. Doch der Zahn der Zeit und zwei Weltkriege hinterließen ihre Spuren. Nun sind nur mehr die 2 neueren Glocken aus dem Jahre 1953 in Funktion, das historische, baroke Geläute ist jedoch derzeit verstummt.

Doch Ostern 2021 soll der alte Glanz und vor allen Dingen der „gute alte Ton“ aller 5 Glocken wieder vorhanden sein. Aber es ist viel schwere Arbeit und auch viel Kunstverständnis erforderlich, um dieses Werk zu vollbringen.

Das Video von Karl Piaty sen. zeigt Aufnahmen vom Glockenturm und die Schmiedearbeiten für die Glockenjoche, ausgeführt vom Dresdner Kunstschmied Thomas Hochstädt der jetzt in Ybbsitz die Tannhäuserschmiede betreibt.

Um diese wertvolle Arbeit auch finanzieren zu können, bittet der Stadtpfarrer von Waidhofen an der Ybbs, Kanonikus Mag. Herbert Döller sehr herzlich um Spenden für die Restaurierung der baroken Kirchenglocken:

Eine Kirche ohne Glocken
ist für uns nicht vorstellbar,
weil der Glockenklang seit jeher
Freund uns und Begleiter war!

Denn der Klang, der wohl vertraute,
macht das Leben erst komplett,
Sonntagsmesse, Weihnachtsmette,
Taufe, Hochzeit, Totenbett!

Hört man sanftes Glockenklingen
weit hinein ins grünes Tal,
bracht‘ es Freude, Frieden, Hoffnung,
heut‘ und anno dazumal!

Leider ist‘s nicht selbstverständlich,
dieses tägliche Geläut‘!
Wie bei vielerlei im Leben,
nagt auch da der Zahn der Zeit!

Glockenjoche halten Glocken
oben auf dem Glockenturm
und sie trotzen mit den Jahren
Donnern, Blitzen, Wind und Sturm!

Auch Waidhofens Glockenjoche
beugen sich der Zeiten Last,
werden jetzt von Schmiedehänden
an die Neuzeit angepasst!

Dazu braucht es viele Spenden,
dazu bräuchte es auch dich,
…dann erklingen alle Glocken
wieder laut und feierlich!

Stadtdichter
Fred Eichleter zu den Waidhofner Glocken

Hier ein Film von Karl Piaty sen.sen. (geb. 1910) über die Glockenweihe 1953:

Prälat Landlinger und Bäcker Josef Lill bei der Glockenweihe, ein historischer Film aus Waidhofen / Ybbs

Am Glockenturm der Stadtpfarrkirche Waidhofen / Ybbs

Beim Kunstschmied Thomas Hochstädt in Ybbsitz

Stadtpfarrer Herbert Döller hat noch wichtige Details zusammengefasst:

1689 erhöhte man den Turm der Kirche durch eine neue Glockenstube auf 56 Meter, da man für das neue prunkvolle Geläute Platz brauchte und setzte statt des Satteldaches eine Zwiebel als Bekrönung auf den Turm. Die damals drei neuen Glocken und vermutlich zwei vorhandene waren auf „Salve Regina“, eine bekannte Choralmelodie, gestimmt. Auch die zwei 1953 neu angeschafften wurden zu dieser Tonfolge dazugestimmt. Im einzelnen sind es folgende Glocken:

  1. „Lambert“ 3600 kg, gegossen 1689 von Mathias Brininger in Krems Ton ho
  2. „Magdalena“, 1700 kg, gegossen 1689
    von Mathias Brininger in Krems. Ton dis´-2
  3. „Bauer“, 1200 kg, gegossen 1689 von Mathias Brininger in Krems. Ton gis´-2
  4. „St. Leopold“, 750 kg, gegossen 1953 von Josef Pfundner in Wien. Ton fis´-1
  5. „St. Isidor“, 300 kg, gegossen 1953 von Josef Pfundner in Wien. Ton h´

In der Laterne des Turmes hängt eine Glocke aus Böhlerstahl mit 60 kg, die allerdings nicht geläutet werden kann. Im Dachreiter über der Apsis dient eine 88 kg schwere Stahlglocke der Fa. Böhler aus den 20er Jahren als Totenglocke.

Eine umfassende Beschreibung der Waidhofner Kirchenglocken liegt in der Pfarre Waidhofen an der Ybbs auf.

Weitere Berichte zu den Arbeiten an den Glocken:
https://piaty.blog/2021/03/10/glockenreinigung/

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