Faschingsdienstag

Der Fasching gehörte einst zu den „Spitzenzeiten“ in Waidhofen / Ybbs. Der erste Faschingszug Österreichs nach dem 2. Weltkrieg (1955) wurde in Waidhofen / Ybbs durchgeführt. siehe dazu: https://piaty.blog/2018/01/31/faschingszuege-55-bis-86/

Und auch in den späteren Jahren gab es immer wieder Faschingsumzüge. Um das Jahr 1970 gesellte sich dann der Faschingsdienstag dazu. Vormittag ein gewöhnlicher Geschäftstag mit Wochenmarkt, verwandelte sich die Stadt am Nachmittag zu einer „Meile der ungetrübten Freude“! Bürgermeister Vetter rief mittels „Gedicht“ im Boten an der Ybbs dazu auf und alle folgten seinen Ruf.

Alle Geschäfte taten mit, das Personal und die Kunden hatten große Freude daran. 1985  dann ein Höhepunkt mit „Skislalom“ am Freisingerberg, „Hindernislauf“ am Oberen Stadtplatz und „Narrentreiben“ am Unteren Stadtplatz.

In den darauffolgenden Jahren entwickelte sich der Faschingsdienstag zum Geheimtipp in N.Ö. ( Der ORF berichtete mehrmals, Waidhofen wurde als Beispiel vorgestellt)  Alles ging ohne „Organisation“ von statten, einfach Ideenreichtum und Freude prägten die Stadt.

Plötzlich aber wandelte sich der Faschingsdienstag zu einen Fadschingsdienstag.

Was war geschehen ?  Organisationen wie „die Kaufmannschaft“ und später das „Stadtmarketing“ begannen diesen Tag zu „organisieren“.  Und wurden damit schnell zum „Spaßverderber“.  Immer weniger Geschäfte wollten dabei sein, weil  auch dieser Tag plötzlich einem „vorgegebenen  Leitbild“ folgen mußte.  Zuerst sperrten die Banken und Sparkassen mittag zu, bald darauf die Textilianer, und später folgten immer mehr diesen Trend. Und so ist der Faschingsdienstag in Waidhofen an der Ybbs am Nachmittag zur „toten Hose“ verkommen.

Und 2018 sieht man schon in fast allen Auslagen am „Rosenmontag“ das Schild:  „Faschingsdienstag nachmittag geschlossen!“

Ein Rundgang dann am Faschingsdienstag durch die Stadt zeigt die verschiedendsten Ankündigungen, aber alle mit einem einzigen Grund:

Einige hatten noch offen, daher seien sie vor den Vorhang geholt:  Die traditionellen „Kaffeehäuser“ der Stadt z.B. spielten da Vorbild – sowohl Hartner als auch Piaty haben auch 2018 am Faschingsdienstag nachmittag geöffnet, backen frische Krapfen und halten das „traditionelle Faschingsflair“ weiter hoch. Auch Bäcker Fürst war für die Kunden da. Mit dabei auch die Blumengeschäfte, Friesenegger, Blumen Resi und Blumen AG. Dazu die Drogeriegeschäfte DM und BIPA. Auch der Trafikant am Unteren Stadplatz hatte offen, ebenso wie Bierplatzl, Koc, Chinese, Pizzeria, Cup & Cino  und Weinstube. Auch der „neue Fügerl“ am Hohen Markt, so wie auch die Apotheke, Spar und das Handyshop. Hoffentlich wurde da nicht noch jemand vergessen – bitte um Pardon.

Ja, und natürlich noch etwas war vorhanden – „abzockende  Parkautomaten“, denn da fehlte das Schild mit  „Heute nachmittag ausnahmsweise keine Parkgebühr“!

Und noch eine eher negative „Innenstadtbelebung“ hatte am Faschingsdienstag „Hochkonjunktur“. Kaum kam ein Auto an diesem Tag an, stand schon ein Zeitungsverkäufer neben der Tür parat um „wenigstens“ eine kleine Spende zu erhalten. Viele BesucherInnen der Stadt finden das sichtlich „unangenehm“ und meiden immer mehr die Innen-Stadt. Denn auch wer zu Fuß geht, kann sich den „neuen, von der Stadt geduldeten  Gepflogenheiten“  nicht so leicht entziehen.

Nur einige Bilder zum Thema sollten zum Nachdenken für Politik, Innenstadt- Koordinator  und Stadt-Marketing anregen: Am Faschingsdienstag waren es gleich drei aufdringliche „Zeitungsverkäufer“, da wird ein Einkaufsbummel  in der Stadt gerade von  Frauen immer öfter als „Spießrutenlauf“ empfunden!

bettler 5 (2)