Dr. Leopold Figl war der erste Bundeskanzler der 2. Rebublik.
Am 20. Dezember jährt sich dieser Tag, daher sollen auch aus Waidhofen / Ybbs die Erinnerungen wachgerufen werden.

Stadtdichter Fred Eichleter hat dazu
extra ein umgangssprachliches Gedicht geschrieben:

Leopold Figl schreibt sich ins „Piaty Gästebuch“ im Jahre 1962 ein.
Figl Portrait von Robert Fuchs
Figl begutachtet das Fuchs Bild
Belvedere 1955
Figl und Bischof Zak bei Piaty
Figl vor Wetterhäuschen von 1899

Wer weiß das noch, wer war der Herr,
der am Balkon vom Belvedere
den Staatsvertrag mit Freuden schwenkte
und Österreich die Freiheit schenkte?

Wer denkt denn heute noch daran
wie schwer man einstens sich getan,
und wieviel Einsatz nötig war,
bevor uns die Besatzungsschar
verlassen hat mit Mann und Maus?
Beflaggt war damals jedes Haus
und jedermann, ob arm,ob reich,
beklatscht das freie Österreich!

Der „Leopold“ war der Garant
für unser schönes Heimatland,
und brachte, glaubt das Volk noch heut‘
mit dickschädligen Russenleut‘
(man schonte Leber nicht, noch Galle)
die wahre Freiheit für uns alle!

Jetzt ist es „Fünfundsiebzig“ Jahr,
dass der Herr Figl Kanzler war
und Weihnachten per Radio,
im einem Funkhaus irgendwo,
die Botschaft gab: „Ihr werdet seh‘n,
es wird bestimmt gut weitergeh‘n,
macht‘s mir ,ihr lieben Freunde gleich
und glaubt an dieses Österreich!“

Hielt „Figl“ in Waidhofen Rast,
war gern er beim „Piaty“ Gast
und schrieb sich auch ins Gästebuch!
Und bist du hier mal auf Besuch,
denkst gleich du an den Staatsvertrag,
denn Figl hat an jenen Tag
uns einen Gästespruch beschert,
in grüner Tinte, hoch begehrt!

Es tut uns auch noch heute gut!
Man kannte einen Mann mit Mut,
einen mit Handschlagqualität,
der stets zu seiner Meinung steht,
den heutzutag’ man selten findt‘
und den wir uns vom Christuskind,
weil wir ihn furchtbar nötig hätten,
aus ganzem Herzen wünschen täten!

Und ist bald unser Wunsch erfüllt?
Wir müssen wohl das „Figl“-Bild
in uns noch etwas korrigieren!
Wie wir schon lang im Herzen spüren,
wird Figl für sein Erdenleben
auch kirchenseitig Ehr‘ geben!

Er mög‘ auf unser Bitten hör‘n
und sollt‘ als „Seliger“ beim Herrn,
weil man es bitter nötig hat,
Fürsprecher sein für Land und Stadt!

Ein Seliger, der uns gut kennt,
den man den „Landes-Poldl“ nennt,
weil einst das Volk ihn hoch verehrt,
….ist für uns alle Goldes wert!

Ein Hoffnungszeichen, heute selten,
für Land und Hauptstadt in St.Pölten!
Für alle Landsleut‘ gibt‘s sogleich
….den eig‘nen Mann im Himmelreich!

Leopold Figl war ein wichtiger Mann Österreichs, trotzdem war er lange nicht mittels Denkmälern, Straßennamen oder auf Münzen und Briefmarken vertreten. Eine aus 2 Häusern bestehende Kleingasse im 1. Bezirk in Wien und ein Bild im österr. Parlament war 1990 das einzige, was Karl Piaty (geb. 1948) bei Recherchen fand. Denn Figl war mehrmals Gast bei Piaty in Waidhofen / Ybbs und er eröffnete sogar die Ybbstaler Vorkskundesammlung im Jahre 1962 – bald 60 Jahre her:

Figl schreibt sich mit der grünen Staatsvertragstinte in das Piaty Gästebuch.
In der Mitte Leopoldine Piaty (geb.1910) und rechts der damalige Bürgermeister Franz Josef Kohut.
Eintrag im Gästebuch bei Piaty

Viele Medien berichteten über die Feiern bei Piaty, wo Leopold Figl im Mittelpunkt stand.
Und Wolfram Marboe sagte wohl die wichtigsten Worte zu Leopold Figl:

Es gab also auch nach dem Tod von Leopold Figl entsprechende Erinnerungsfeiern in der Volkskundesammlung in Waidhofen / Ybbs – einmal kam dazu auch das ehemalige Mitglied der Bundesregierung, der Nationalratsabgeordneter Dr. Günter Stummvoll extra nach Waidhofen zu Piaty. Und er brachte ein Bild von „Seltenheitswert“ mit.
Stummvoll als kleiner Bub mit einem síchtlich jungen Leopold Figl:

Thomas Piaty, Günter Stummvoll und Karl Piaty mit dem „Figl-Jugendbild“
Figl- und Staatsvertragsfeier in der Konditorei Piaty (Waidhofen / Ybbs)

Und am 20. Dezember 2020 wird der Bundeskanzler im Bundeskanzleramt den bekannten Steinsaal zum „Leopold Figl Saal“ erklären. Wegen Corona kann nur ein Ehrengast dabei sein, aber diese späte Ehrung ist auch so etwas besonderes:
https://www.diepresse.com/5913649/steinsaal-im-kanzleramt-wird-zum-leopold-figl-saal

Für die Familie Piaty wird Dr. Leopold Figl immer in besonderer Erinnerung bleiben, sein Eintrag ins Gästebuch ist auch zum Leitspruch der Bäckerei und Zuckerbäckerei geworden:

Unvergeßlich auch seine Weihnachtsansprache 1945:

Die Kinder litten zu dieser Zeit besonders, auch in Waidhofen / Ybbs

Ein schon etwas älterer „Piaty Blog“ zu Leopold Figl:
https://piaty.blog/2017/09/10/geschichte-zu-figl/

Und als Leopold Figl in den frühen 50er Jahren vor dem Wetterhäuschen in Waidhofen / Ybbs sprach, stand Karl Piaty sen. (geb. 1910) bei ihm in der Nähe und drehte das auf Schmalfilm mit – Ton war damals leider noch nicht möglich:

Waidhofner Maler, Figl und der Staatsvertrag – auch historisch interesannt:
https://piaty.blog/2020/05/15/staatsvertrag-1955/

Eine sehr schöne Erinnerung ist auch das Europa-Manifest zum Kulturerbe im Jahre 2017 am Ballhausplatz:
https://piaty.blog/2017/10/13/kulturerbe-manifest/

Wenige Tage nach diesem Bericht des Kulturkreises Freisingerberg hat auch der ORF NÖ. und der Regionalsender p3tv große Berichte zu Leopold Figl ausgestrahlt. Dabei ging es um die Forderung des St. Pöltner Diözesanbischofes Dr. Alois Schwarz, ein „Seligsprechungsverfahren“ für Dr. Leopold Figl einleiten zu wollen.
Hier die entsprechenden Fernsehberichte mit dem Bischof :

Seligsprechungen sind ein sehr langer und komplizierter Vorgang in der katholischen Kirche. Hier entscheidet ausschließlich „der Vatikan in Rom“:

Vor der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. war Karl Piaty beim damals für Seligsprechungen zuständigen Kardinal Farina im Vatikan und wurde vom Kardinal eingeladen, persönlich einen Blick in die manigfaltigen Archive zu dieser Seligsprechung zu machen. Hier wird penibel der gesamte Lebenslauf des Kandidaten gesichtet, erforscht und überprüft. Das am Schwersten zu erfüllende Hauptkriterium, welches für eine derartige Seligsprechung nötig ist, ist der Beweis eines Wunders.

Fam. Piaty im März 2009 bei Kardinal Farina – damals zuständig für Seligsprechungen.
Das Bild wurde bei einer Privataudienz in der vatikanischen Bibliothek aufgenommen.
Die 2 Figuren, welche der Kardinal in Händen hält, waren ein Geschenk vom Zeller Pfarrer Reinhard Kittl, der mit Kardinal Farina seit Jahrzehnten in schriftlichen Kontakt ist.

Bei dieser Gelegenheit hat der Kardinal den Zeller Pfarrer „Reinhard“ per Videobotschaft (aufgenommen von Karl Piaty) nach Rom eingeladen:

Dieser Besuch steht allerdings noch aus:

%d Bloggern gefällt das: