Eisenbahn Kulturkreis Freisingerberg

Das Ende des 4090-001

4090 – Eine typische Schmalspurbahn-Geschichte – mit 760mm Spurweite:

Die ÖBB bestellten einst diese modernen Triebwägen für die Mariazellerbahn. Die Fahrzeuge wurden alle im Laufe des Jahres 1995 für den Verkehr zugelassen.

Die 4090er wurden vom Publikum nicht nur wegen der breiteren und bequemeren Sitze, sondern auch wegen des geräumigen Einstieges gut angenommen. Lediglich die aus Sicherheitsgründen, wegen der Breite der Fahrzeuge, nur einen Spalt zu öffnenden Fenster erfreuen sich auf dieser Panoramastrecke nicht allgemeiner Beliebtheit.

Eine Zeitlang überlegte man auch den Umbau eines Triebwagens in einen Steuerwagen, um den Mangel an Ersatzteilen zu mindern. Auf diese Weise hätte man zwei dreiteilige Garnituren erhalten, doch wurde dieser Plan nicht verwirklicht, vielmehr wurden alle drei Triebwagen repariert.

Mitte Mai 2004 wurde aber auch der zweite Zwischenwagen wieder eingereiht und der vierteilige Triebzug wieder eingesetzt, noch dazu in seiner angestammten Zusammensetzung mit den Triebköpfen 4090.002 und 003 und den Zwischenwagen 7090.002 und 003. In dieser Form fuhr die Garnitur aber nur wenige Monate.

Ab Anfang Oktober 2010 waren beide Garnituren im Einsatz, nämlich als 4090.002-9 + 7090.001-4 + 6090.001-6 bzw. 4090.001-1 + 7090.003-0 + 4090.003-7. Der Zwischenwagen 7090.002-2 wurde in der HW St. Pölten hinterstellt. Er diente als Ersatzteilspender.

2013 wurden die beiden Triebzüge durch die Neulieferung der NÖVOG ET 1 bis 9 (Hi,mmelstreppe) im Plandienst überflüssig und wurden im Alpenbahnhof St. Pölten abgestellt.

Als sie dort standen wurde von Zuckerbäcker Karl Piaty die Idee eines Umbaues dieser Garnituren in „AKKU Triebwagen ETA 1“ sowohl an Landeshauptmann Pröll als auch an Stellen in der EU herangebracht. Dem Landeshauptmann gefiel diese Idee und er beauftragte den zuständigen Landesrat Mag. Wilfing mit der wohwollenden Prüfung der Angelegenheit. Es wurde ein österr. Fachbetrieb für den Umbau gefunden, aber das Land NÖ. lehnte schlußendlich diese Umweltidee ab – daraufhin wurden die 4090er verkauft.

Es hatte bis dahin den Anschein, daß durch Förderungen der EU zum Thema Umwelt, Schienenverkehr usw. ein Großteil der Kosten ersetzt worden wäre.

4090 – als europaweit 1. CO2 freier Schmalspurtriebwagen ohne Oberleitung – diese Pionierleistung wurde von der NÖ. Politik leider abgelehnt, und die EU war damit bezüglich der Förderungen auch ausgebootet worden.

„Kultvideo“ von Karl Piaty sen. zeigt den Abtransport der 4090er von St. Pölten. Verladen zur Überstellung zur Pinzgauer Lokalbahn:
https://www.youtube.com/watch?v=ZEcy16gSmyo&t=24s

Letztendlich wurde ja entschieden, alle Fahrzeuge der 4090er an die Pinzgauer Lokalbahn abzugeben. Es war geplant, die Mittel- und den Steuerwagen wieder in Betrieb zu nehmen, und, falls die nötigen Fördermittel von der EU bereitgestellt würden, die Triebwagen in Akkumulatortriebwagen umzubauen.

Seit 2019 befindet sich ein mustergültig restaurierter Mittelwagen bei der Pinzgauer Lokalbahn im Einsatz. Die restlichen Wagen wurden beim Depot der Pinzgauer Lokalbahn, in Zell am See-Süd, abgestellt.
Natürlich gibt es auch zu diesem 4090 Mittelwagen einen Piaty BLOG:
https://piaty.blog/2017/08/01/4090-in-fahrt/

Zu dieser Zeit wurden sowohl auf der Ybbstalbahn als auch auf der Zillertalbahn Überlegungen angestellt, diese Bahnen CO2 frei zu machen. Oberleitung, AKKU oder Wasserstoff standen dazu zur Auswahl. Für die Citybahn in Waidhofen an der Ybbs (nur 5 km lang) schien sich dabei die AKKU-Version als beste Lösung für einen umweltverträglichen Antrieb abzuzeichen. Die Pinzgaubahn hatte angeboten, die Triebwägen für solche Umbauten wieder zur Verfügung zu stellen, aber weder NÖ. noch Tirol zeigten sich dann interessiert.

Hier noch ein Video zum 4090 Mittelwagen auf der Pinzgaubahn.
https://www.youtube.com/watch?v=d60M4qpfSVA&t=451s

Die übrigen 4090er stehen dagegen am Gelände der Pinzgaubahn, die „Sprayer“ tobten sich aus, ein eher unpassender Anblick.

So mußte der Betriebsleiter, im Sinne des Anblickes für die Gäste des Tales, handeln. Den 4090-001 „auszuschlachten“ und dann „zu verschrotten“ war unvermeidbar. Vorerst bleibt allerdings auch noch etwas wertvolle Eisenbahngeschichte erhalten – aber wie lange noch?

Im September 2020 wurde dann der Triebwagen 4090-001 bei der Verschrottung gesichtet – wie es mit den übrigen Teilen dieser Triebwagengarnituren weitergeht scheint noch nicht sicher, aber das Versagen der Politik wird sich nicht mehr Umkehren lassen.Die Idee der „umgebauten“ AKKU-Triebwagen wurde zwar mehrmals belobigt, aber die Politik läßt lieber weiter auf der Ybbstalbahn die Dieselfahrzeuge fahren, anstatt auf CO2 frei umzubauen.
Diese Urkunde beim VCÖ Mobilitätspreis erhielten Karl Piaty sen. und Renate Wachauer für die Idee, einen 4090er Triebwagen auf AKKU Antrieb umzubauen. Die Kosten wären nur ein Zehntel von der einer Neukonstruktion gewesen.

Jedenfalls ist der „Zukunftstraum von umweltfreundlicher Mobilität“ mitttels AKKU-Antrieb durch Umbau der 4090er Garnituren engültig „ausgeträumt“.

Das Ende eines Zukunftsprojektes läßt sich wohl in Bildern am Besten zeigen:
Bericht dazu: https://frankfurter-nahverkehrsforum.de/forum/index.php?thread/27481-verschrottung-triebk%C3%B6pfe-4090-001-003/&postID=371273#post371273

Und auch dem 4090 002 geht es nicht viel besser!

ZUM NACHLESEN:
So ändern sich die Aussagen der Politiker in nur kurzer Zeit:
https://piaty.blog/2020/05/22/geld-fuer-regionalbahnen/

Historiker werden einmal viel Freude haben, daß die Zerstörung der Ybbstalbahn und die Verweigerung des raschen Umstieges auf CO2 Freiheit auf der Citybahn so gut dokumentiert ist.
https://piaty.blog/2018/12/30/neues-fuer-2019/

Zum Abschluß – Rückblick auf ein schönes Stück „Bahngeschichte“: https://bahnbilder.warumdenn.net/reihe-4090.html

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