Vor 110 Jahren feierte man in der Bäckerei Piaty wie immer am 4. November die Namenstage der „Karl`s“. Mit Karl dem 4. (geb. im Mai 1910) gab es in diesem Jahr 1910 schließlich wieder „Karl Zuwachs“ in der 300 jährigen Geschichte der NÖ Bäckerdynasty.

Was aus diesem Karl geworden ist zeigt 30 Jahre nach seinem Tod das kulturelle Erbe, welches er hinterlassen hat.

Neben der Erhaltung der alten Traditionen der Backkunst in Bäckerei und Konditorei war es auch seine Film- und Fotoleidenschaft, die heute wertvoller ist denn je. Fotos machte Karl Piaty als 17 jähriger ab 1927, sogenannten Lauffilm mit bewegten Bildern ab 1935. Als Lebenswerk begann er 1962 die dem Abriss preisgegebene Ybbstaler Bergbauernstube von 1614 in seinem Haus wieder aufzubauen. Nach der Eröffnung, durch Bischof Zak und Bundeskanzler Figl, baute er bis 1982 diese Volkskundesammlung bis auf 2500 Gegenstände aus 10 km Umkreis von Waidhofen/Ybbs aus.

Am 4. November 2020 war eine große Feier in dieser Sammlung geplant, doch kurzfristig hat der Coronavirus auch den Museen eine totale Schließung gebracht.

Doch der Kulturkreis Freisingerberg wußte wieder einmal Rat.

Ohne Publikum wird daher diesmal in Erinnerung geschwelgt, und die Lesung von Stadtdichter Fred Eichleter hat wurde daher diesmal digital umgesetzt.

Geschriebener Text des Gedichtes:
https://piaty.blog/2020/11/03/stadtdichter-32/

Fred Eichleter mit Kerze, „Spitzer Feder“ und „Piaty Zimtkuchen“ – alles einfach köstlich.

Das Internet wird diese Dichterlesung in der historischen und daher umso gemütlicheren Bauernstube in alle Haushalte der Welt tragen. Besonders viele ehemaligen Waidhofner, welche in der ganzen Welt verstreut sind, sehen sich diese BLOGS des Kulturkreises Freisingerberg regelmäßig an.

Zum medialen Erinnern:

Beitrag ORF 2002
Das Buch „Karl Piaty“ von Richard Pils – Vorstellung im ORF
Bayrisches Fernsehen in der Bauernstube 2007
ORF NÖ – Kulturerbe

Hier nun einige Berichte in Zeitungen
zum Lebenswerk von Karl Piaty (geb. 1910)

OOeN – Do., 4. Juni 1987

Waidhofener Privatmuseum besteht seit 25 Jahren

Das Museum der Stadt Waidhofen an der Ybbs bleibt in diesem Jahre wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Aber eine private Volkskundesammlung, eingerichtet im Dachgeschoß eines altehrwürdigen Bäckerhauses, bietet für Museumsfreunde gleichwertigen Ersatz.

Heuer feiert die Sammlung des Bäcker- und Konditormeisters Karl Piaty ihr 25jähriges Bestandsjubiläum. Angefangen hat es so: Piaty war an einem Frühlingstag des Jahres 1962 mit der Kamera auf Motivsuche in der Umgebung von Waidhofen unterwegs gewesen. Bei der Einkehr in einem alten Bauernhaus kam das Gespräch auf die alte Stube, in der gerade geplaudert wurde. Diese sollte am folgenden Tag abgerissen werden und wäre damit für alle Zeiten verloren gewesen.

Karl Piaty erwies sich als Retter dieses Zeugnisses der Vergangenheit: Er erwarb die Stube, deren Balken die Jahreszahl 1614 zeigt, und baute sie im Dachgeschoß seines Bäckerhauses am Unteren Stadtplatz wieder auf. Zu dieser Bauernstube gesellten sich im Lauf der Jahre mehr als 2000 bäuerliche Gegenstände, die heute längst irgendwo verkommen und vergessen wären.

In der Zwischenzeit beanspruchen die Raritäten aus alten Zeiten nicht weniger als neun Räumlichkeiten, die sich sehen lassen können und die Betrachter begeistern. Täglich um 16 Uhr führt der Sammler und Museumsherr persönlich durch diese Welt von gestern.

Als Pensionist hat der 77jährige Karl Piaty Zeit, seine Gäste mit Erzählungen aus der Vergangenheit des Ybbstales zu unterhalten. Unter den Besuchern war in dem Vierteljahrhundert des Bestehens schon einige Prominenz in Piatys Museum: Neben Wiederaufbau-Kanzler Leopold Figl begrüßte Piaty den St. Pöltener Diözesanbischof Franz Zak, Otto Habsburg und den verstorbenen Publikumsliebling Heinz Conrads.

OOeN – Do., 13. Juli 1989

„Volkskunst-Fundgrube“ in Waidhofen

(OÖN-loc). Über 2000 Ausstellungsstücke sind im Privatmuseum Piaty in Waidhofen zu besichtigen. Seit den frühen 60er Jahren trug der Gründer der Sammlung, Karl Piaty sen., aus allen Ecken des Ybbstales volkskundliche Gebrauchs- und Kunstgegenstände zusammen. Trotz beträchtlicher Kosten und zeitlichem Aufwand will Karl Piaty jun. auch nach dem plötzlichen Ableben seines Vaters das Museum weiterführen.

Begonnen hatte die Sammeltätigkeit des Senior-Bäckermeisters spontan, als er 1962 in Konradsheim zufällig Zeuge einer Bauernhausdemolierung wurde. Der „Zug der Zeit“ war damals auch in diesem kleinen Dorf in der Nähe von Waidhofen eingefahren und hinterließ seine einschneidenden Spuren. Viele Bauern wollten nicht länger im ländlichen Ambiente ihrer Vorfahren leben, sondern ebenso modern sein wie die vermeintlich so fortschrittlichen Stadtbewohner.

Tramdecken, Einrichtungsgegenstände, Wanddekorationen – fast alles landete auf dem Abfallhaufen, wo es dann von Karl Piaty sen. aufgelesen wurde. Mit teilweise großem Aufwand wurde eine Bauernstube nach der anderen im Piaty-Stammhaus in Waidhofen authentisch wieder aufgebaut. Ein erster Schritt in Richtung eines privaten volkskundlichen Museums war damit getan.

„Mein Vater entwickelte eine äußerst intensive, aber keine fanatische Sammelleidenschaft“, erzählt Karl Piaty jun. „Er brachte durchwegs nur Sachen nach Hause, welche die Bauern und Handwerker des Ybbstales schon längst ausrangiert hatten und welche unweigerlich auf dem Müll gelandet wären.“

Innerhalb von 15 Jahren, genau von 1962 bis 1977, wuchs die Sammlung auf 2200 Exponate an. Alle Gegenstände sind sorgfältig gereinigt, numeriert und katalogisiert. Restaurierungen wurden nur bei jenen Gegenständen vorgenommen, wo Eingriffe aus neuester Zeit offensichtlich waren.

Außer relativ oft zu findenden Ausstellungsstücken wie Stubeninventar oder Wanddekorationen besitzt Piaty auch Raritäten wie einen „Eichkatzl-Laufkäfig“, eine Türklopfersammlung und eine umfangreiche Andachtsbilderkollektion.

Von den zahlreichen Besuchern, die das Museum bisher bestaunt haben, weiß Karl Piaty jun. einige Geschichten zu erzählen: „Am überraschtesten war unsere Familie, als eines Tages mehrere Amerikaner das Museum besuchten und anschließend gutgläubig fragten: Was kostet das alles, wir wollen die Sammlung kaufen.“

Fast museumsreif ist aber auch das Kaffeehaus und die Bäckerei der Piatys. Als Großvater Piaty in der Zwischenkriegszeit seinen Salon im klassischen Stil der Wiener Kaffeehäuser einrichten ließ, wurde in der Bäckerei gleichzeitig ein für die damalige Zeit hochmoderner Dampfbackofen installiert, der bis heute seinen Dienst versieht.

OOeN – Do., 12. Juni 1986

Zuckerbäcker „erwanderte“ sich ein Brauchtumsmuseum

„Das kannst alles haben, denn das wird eh demnächst verbrannt.“ Dieser Satz eines Ybbstaler Bergbauern vor 24 Jahren machte aus dem Waidhofener Zuckerbäcker Karl Piaty einen leidenschaftlichen Sammler von altem Volksgut. Eine „dem Tode geweihte“ Stube wurde in seinem Haus aufgestellt und war der Keim für ein ungewöhnliches Museum, das mittlerweile 2000 bäuerliche Gegenstände umfaßt.

Eigentlich hört der sehr rüstige 76jährige Karl Piaty den Ausdruck Museum für seine Sammlung nur äußerst ungern und legt großen Wert auf die Bezeichnung „Bäuerliche Volkskundesammlung mit Ybbstaler Bergbauernstube“. Begonnen hatte der langjährige Stadtbildpfleger von Waidhofen seine Pirsch auf die Schönheiten seiner nächsten Umgebung mit der Kamera: Piaty wanderte regelmäßig die Berge der Umgebung ab und bannte alles auf Film, das ihm erhaltungswürdig erschien. Bis dann die Geschichte mit der Bauernstube aus dem Jahr 1614 passierte, die Piaty in seiner Taktik umschwenken ließ. Fotografieren genügte ihm nicht mehr, er wollte plötzlich auch konservieren.

Rasch wurde der Dachboden des Piaty-Hauses am Unteren Stadtplatz ausgebaut und zur Heimstätte für die noch vor einem Vierteljahrhundert zum Großteil achtlos weggeworfenen Volkstumsgegenstände, die in der Summe heute einen unbezahlbaren Wert darstellen. Eventuelle Vermutungen von Besuchern, Piaty hätte die Bauernhäuser ausgebeutet, rückt der begabte Erzähler seiner Wander- und Sammelerlebnisse rasch zurecht: „Ich hab nie etwas aus einer Stube herausgenommen, sondern mich immer nur auf die ausgedienten Werkzeuge gestürzt, die schon auf dem Dachboden gelandet sind.“

Wie sich die Zeiten ändern: Heute ist kaum noch ein Stück auf einem Bauernhof zu finden und wenn, dann müssen schon Unsummen den Besitzer wechseln, um den Bauern noch etwas abluchsen zu können.

Spaß hatte der Sammler Piaty nicht nur bei den zahllosen Wanderungen, die ihn in 242 Bauernhäuser führten, sondern auch beim Restaurieren und Katalogisieren: „Das war für mich zum Teil das Lustigste.“ Und in seiner Pension macht es dem 76jährigen mindestens ebensoviel Freude, die peinlich sauber geführte neunräumige Museumsetage den Leuten herzuzeigen, die in der 800 Jahre alten Stadt Waidhofen einen Zwischenstopp eingelegt haben.

Jeder, der einmal die Stufen in das Reich des bäuerlichen Lebens erklommen hat, wird zuerst einmal in das Kernstück die Bauernstube „gesetzt“. „Die Stimmung da drinnen muß man auf den Körper einwirken lassen“, meint Piaty und erzählt den Besuchern neben vielen Details aus dem Brauchtum gern von den Persönlichkeiten, die er in seinem Reich schon begrüßen durfte: „Da wäre Leopold Figl zu nennen, Bischof Franz Zack aus St. Pölten, Otto Habsburg und der Publikumsliebling Heinz Conrads. Und erst kürzlich waren 40 Chinesen hier.“


Im Jahre 1988 gab es einen großen Artikel in „Morgen“
einer Kulturzeitschrift des Landes NÖ.

Bericht NÖ Kulturmagazin „Morgen“ Seite 1
Bericht NÖ Kulturmagazin „Morgen“ Seite 2
Heinz Conrads – Fersehsendung in der Bergbauernstube (links Karl Piaty Gest. 1989)

Einge Erinnerungen:
Karl Piaty – 1963 mit dem damaligen Bergführer August Julen. Julen drehte später den großartigen Film über die Erstbesteigung des Matterhorn – Arme Bauernkinder aus dem Mostviertel, ein Bild von Karl Piaty – dann noch das Portraitfoto sowie der Besuch von Minister Staribacher in der Volkskundesammlung.

Karl Piaty stand meist „hinter der Kamera“
deshalb gibt es nicht so viele Fotos von ihm.


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